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Aus der Region

Eine Vision vom Paradies

Hundertwasser-Bau in Magdeburg eingeweiht

Ein Blick über das Dach auf den Bereich des künftigen evangelischen Kindergartens unterhalb des Spiralturms (rechts hinten). Fotos: Eckhard Pohl

Magdeburg - Mit einer Nacht für geladene Gäste und einem Tag der offenen Tür ist am 3. Oktober in Magdeburg die Grüne Zitadelle eröffnet worden. Generalvikar Raimund Sternal segnete das Hunder twasserhaus am Domplatz bei einer kleinen Feier auf einem der begrünten Dächer.

Das letzte große Gebäude nach Plänen des vor fünf Jahren gestorbenen österreichischen Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser ist damit bald fertiggestellt. Von weitem schon sind die goldenen Kugeln auf den Zwiebeltürmen zu erkennen. Der rosafarbene umfangreiche Komplex mit den begrünten Dächern setzt einen neuen Akzent in dem im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Stadtzentrum. Bereits jetzt hat er sich zu einem Touristenmagneten entwickelt.

Ursprünglich wollte eine Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft das Projekt verwirklichen. Sie war Mitte der 90er Jahre an Hundertwasser mit der Bitte herangetreten, einen Plattenbau umzugestalten. Doch bald entschied man sich für einen Neubau auf einem nahe gelegenen Grundstück am Breiten Weg, der vor dem Krieg zu den schönsten Barockstraßen Deutschlands zählte.

Nicht alle Magdeburger waren davon begeistert. Es gab Querelen mit der benachbarten evangelischen Domgemeinde. Diese fürchtete durch den farbenfrohen und verspielten Stil Hundertwassers eine Störung des Bauensembles am Domplatz. In der Planungsphase starb Hundertwasser, seine Skizzen für die "Grüne Zitadelle" – wie er das Gebäude in Anspielung auf die Vergangenheit Magdeburgs als Festungsstadt nannte – hatte er jedoch fertig gestellt.

Archäologische Funde verzögerten den Baubeginn. Schließlich stieg die Wohnungsbaugenossenschaft aus, weil sie die inzwischen auf 27,1 Millionen Euro gestiegenen Kosten nicht tragen wollte. Die Gero AG, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Bistums Magdeburg, übernahm das Vorhaben als Bauträger und Projektentwickler und arbeitete einen Finanzierungsplan aus. Im März 2004 wurde der Grundstein gelegt.

Bauträger ist die Gero AG des Bistums Magdeburg

Geschäftsführer Norbert Diehl wollte durch das Projekt eine neue Attraktion für die eher graue Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts schaffen. Außerdem gefi el ihm der "schöpfungsbewahrende Ansatz" Hundertwassers unter anderem mit Bäumen auf dem Dach. Zur Finanzierung des Baus wurde ein geschlossener Immobilienfonds unter dem Namen "Centum Aqua" (lateinisch für: Hundert Wasser) in Höhe von 9,6 Millionen Euro aufgelegt, die Nord LB stellte 17,5 Millionen Euro als Darlehen.

Eine Woche vor Eröffnung gab es um den Bau noch viel Aufregung. Der Nachlassverwalter Hundertwassers, Joram Harel aus Wien, verlangte, die im Haus integrierte öffentliche Toilette hinsichtlich der Fliesen gestalterisch zu verändern sowie mehrere Tausend bereits gepflanzte Staudengewächse zu entfernen. Binnen weniger Tage wurden entsprechende Korrekturen vorgenommen.

Sinnbild für einen neuen Himmel und eine neue Erde

Bei der Segnung der Grünen Zitadelle am 3. Oktober sagte Generalvikar Sternal, vielleicht verweise das Gebäude am Standort der einstigen Magdeburger St.-Nikolaus-Kirche in säkularer Sprache darauf, woran sonst Gotteshäuser erinnern, dass "uns ein neuer Himmel und eine neue Erde versprochen sind". Zugleich verwies der Generalvikar auch auf den 3. Oktober 1990, der den Menschen der früheren DDR vor 15 Jahren Hoffnung auf neues Leben und neue Möglichkeiten eröffnet habe.

Gero AG-Geschäftsführer Norbert Diehl zeigt sich gewiss, dass sich das Projekt trägt. Die Gewerberäume seien bereits zu fast 80 Prozent vermietet. Bereits eingezogen sind Geschäfte, Cafés und ein Hotel. Folgen werde ein evangelischer Kindergarten. Von den 55 Wohnungen in dem bis zu neungeschossigen Bau seien 30 Prozent bereits vergeben. Diehl rechnet hier mit 90 Prozent bis zur Fertigstellung des gesamten Gebäudes Ende dieses Jahres.

Im Erdgeschoss des burgartigen Komplexes soll eine Dokumentation über den Bau eingerichtet werden. Auch die Finanzierung einer Dauerausstellung über Hundertwasser sei bereits gesichert.

Jedes Apartment ist individuell gestaltet: Fußböden wurden unregelmäßig verlegt, der Putz ist uneben. Zudem gibt es unterschiedliche Fenster und Türen. Jeder Mieter soll seine Wohnung von außen unterscheiden können.



Informationen
Infos: www.gruene-zitadelle.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 05.10.2005

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