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Bistum Erfurt

Den Menschen beistehen

Diözesancaritasdirektorin Schwester Maria Elisabeth: "Es gibt keine unabänderlichen Schicksale ̷

Schwester Maria Elisabeth

Erfurt (jak) - Schwester Maria Elisabeth kam vor Jahren aus dem Bistum Magdeburg nach Erfurt. Heute ist sie Diözesan-Caritasdirektorin in Sibirien und begleitete kürzlich Bischof Joseph Werth bei seinem Besuch im Bistum Erfurt.

Im Rahmen ihres Aufenthaltes im Bistum Erfurt besuchte Schwester Maria Elisabeth Jakubowitz aus Omsk unter anderem die Erfurter Bistumswallfahrt und das St.-Elisabeth- Krankenhaus in Lengenfeld unterm Stein. In Lengenfeld übergab ihr Verwaltungsleiter Josef Helbing einen Spendenscheck in Höhe von 1470 Euro. Das Geld – eine von den Mitarbeitern des Krankenhauses gewünschte Alternative zu Blumen und Geschenken – kam zum 100. Geburtstag des Hauses zusammen. Schwester Maria Elisabeth dankte für die Unterstützung und nutzte zudem die Gelegenheit, über ihre Arbeit in Omsk und Nowosibirsk vor Mitarbeitern und Mitgliedern der Pfarrgemeinde zu berichten.

Seit dem Jahr 1995 lebt Schwester Maria Elisabeth in Omsk. Zuvor gehörte die gebürtige Sangerhäuserin ab 1980 zu den Aachener Franziskanerinnen in Erfurt, von wo aus sie nach 1990 die erste Sozialstation in den neuen Bundesländern einrichtete. Ihre dabei gemachten Erfahrungen waren ihr in Russland hilfreich. Nach Jahren der Sozialarbeit im Dekanat Omsk – die Schwester Maria Elisabeth mit ihren Mitschwestern und einheimischen Helfern unter dem Dach der Caritas aufbaute – ist sie seit 2002 Diözesancaritasdirektorin des Bistums "Verklärung des Herrn". Dieses Bistum – in Russland werden die Diözesen nicht nach Orts- oder Gebietsnamen benannt – umfasst mit zirka 4,2 Millionen Quadratkilometern weite Teile Sibiriens. Das bedeutet für Schwester Maria Elisabeth, dass sie wöchentlich nicht nur die weiten Wege zwischen Omsk und dem Bischofssitz Nowosibirsk – eine Strecke beträgt 700 Kilometer – zurücklegen muss, sondern auch die weiten Wege zu den katholischen Christen, die in 63 Pfarrgemeinden und 113 Außenstationen leben. Caritasarbeit selbst, so berichtet sie, gibt es derzeit in 24 Gemeinden.

Schwester Maria Elisabeth erzählt von den Schwerpunkten der Caritasarbeit im Bistum "Verklärung des Herrn". Zum einen gibt es die soziale Integration von Kindern und Jugendlichen aus so genannten Riskofamilien. "Die Väter haben meist Alkohol- und Drogenprobleme, viele sitzen im Gefängnis. Leider erleben die Kinder und Jugendlichen dies als Alltag und meinen oft, dass auch ihre Zukunft irgendwann ins Gefängnis führen müsse. Genau hier wollen wir ansetzen und zeigen, dass es keine unabänderlichen Schicksale gibt", berichtet Schwester Maria Elisabeth. Derzeit gibt es unter anderem 17 Tageszentren für Kinder und Jugendliche.

Das zweite Programm sind die Mutter-Kind-Zentren. Die Caritas bietet dort neben der Schwangerenberatung konkrete Hilfen für junge Familien an, damit sie fähig sind zu leben. Ein wichtiges Anliegen ist es, dass sich die Mitarbeiter aktiv für das ungeborene Leben einsetzen, Hilfe für die Schwangerschaft und das Leben danach anbieten. Leider ist derzeit die Situation noch so, dass in Russland auf eine Geburt drei Abtreibungen kommen. Und schließlich verweist Schwester Maria Elisabeth auf das dritte große Programm, welches sich zuwendet. "Obdachlose", so sagt sie, "sind eine Randgruppe, die von fast allen verachtet wird. Obdachlose werden immer wieder Opfer von Gewalt".

Inzwischen ist Schwester Maria Elisabeth wieder nach Sibirien zurückgekehrt. Im Herbst wird dort ein zweites Mutter-Kind-Heim in Prokopjewsk eröffnet, das Aidsinfizierten Müttern und ihren Kindern offen steht, die bisher von Obdachlosigkeit betroffen waren.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 05.10.2005

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