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Auf zwei Minuten

Der Lebenshauch des Heiligen Geistes

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Yehudi Menuhin, 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Eltern geboren, wurde einer der berühmtesten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts. Er starb 1999 in Berlin und wurde in London beigesetzt. In und neben seinem künstlerischen Wirken wurde er bekannt durch sein humanitäres Engagement. Er setzte sich zum Beispiel für viele Musiker im Osten ein und für die Verständigung unter den Völkern. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte er sich um die Rehabilitierung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, der unter den Nationalsozialisten die Leitung der Berliner Philharmoniker behalten hatte. Bei Kriegsende bezog er durch einen Auftritt im befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen deutlich Position für eine Verständigung und setzte ein musikalisches und humanitäres Signal für die Überwindung der Nazigräuel.

Was mich an diesem Künstler beeindruckt, ist die Weite seines Geistes, die sich auch in seinem Beten zeigt. Über die Grenzen von Religionen und Konfessionen hinaus spricht daraus der Geist Gottes, der "wie der Wind weht, wo er will" (vgl. Joh 3,8). In seinen Lebenserinnerungen findet sich ein Gebet, das uns hinausführt in die Weite der Schöpfung und den Lebenshauch des Heiligen Geistes, hinaus über unser oft enges Denken und Beten: "An Dich, den ich nicht kenne noch erkennen kann – der in mir ist und jenseits von mir –, an den mich Liebe, Furcht und Glaube binden – an den Einen und Mannigfaltigen richte ich dieses Gebet: Führe mich zu meinem besseren Ich, hilf mir, ein Mensch zu werden, dem alles Lebende Vertrauen schenkt, Tiere und Pflanzen, auch die Luft, das Wasser, die Erde und das Licht, die diese alle am Leben erhalten, bewahre mich als einen, der Geheimnis und Eigenart des vielfältigen Lebens in seinen einmaligen Erscheinungsformen und in seiner Gesamtheit achtet. Ist doch alles Leben Urgrund des eigenen Überlebens ... Hilf mir, nie die Leben spendende Kraft zu verlieren, alles zu schützen, was atmet und hungert und dürstet; alles, was leidet ... Gewähre mir die Erleuchtung, zu der Du die Menschen befähigt hast, und leite mich an, jene beispielhaften Menschen zu verehren und ihnen nachzueifern, die Deinen Geist in sich tragen – den Geist, der in uns allen und jenseits unser aller ist –, die Erleuchtung Christi, Buddhas, Laotses und der Propheten, Weisen, Philosophen, Dichter, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, aller Schaffenden und Künstler und aller Selbstlosen, der Heiligen und der Mütter, der Bekannten und der Unbekannten, der Hohen und der Niedrigen, Männer – Frauen – Kinder, zu allen Zeiten und an allen Orten, deren Geist und Vorbild für immer bei uns und in uns bleiben mögen."b

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 30.09.2005

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