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Bistum Erfurt

Der Glaube muss Praxis werden

Gemeindeerneuerung in der Pfarrei Dom zum heiligen Kreuz in Nordhausen

Pfarrer Richard Hentrich (Mitte) zusammen mit Verantwortlichen seiner Gemeinde und dem Team franziskanischer Ordensleute. Foto: Holger Jakobi

Nordhausen - Der Dom bekommt derzeit ein neues Dach und auch in der Pfarrei Nordhausen hat sich einiges getan. Die katholischen Christen der Südharzpfarrei waren unter dem Motto "Glaube ist mehr" zur Erneuerung ihrer Gemeinde eingeladen.

Schwester Veronika Stein verweist gerne darauf, dass die gemeinsamen Tage in Nordhausen eine "Hoch-Zeit" im Glauben waren. Zusammen mit Schwester Angelucia Fröhlich sowie Pater Claudius Groß und Pater Wolfgang Strotmeier war Schwester Veronika nach Nordhausen gekommen, um sich mit der Gemeinde auf den Weg der Erneuerung zu begeben. Alle drei Ordensleute gehören der Franziskanischen Familie an.

Gemeindepfarrer Richard Hentrich übernahm die Idee zur Gemeindeerneuerung von seinem Vorgänger, Pfarrer Wolfgang Ipolt. "Am Anfang stand die Überlegung, ob es nicht langsam Zeit wäre, wieder auf Tiefgang zu gehen? Zu schauen, was für die Gemeinde in diesen Zeiten wichtig ist", berichtet Richard Hentrich. Eine Gemeindeanalyse klärte, wer zur Gemeinde gehört, welche Bedürfnisse da sind, welche Interessen und Themen die Mitglieder haben.

Insgesamt dauerte die Vorbereitung in den Gruppen, in Gebeten und in Gottesdiensten zwei Jahre. Im Mittelpunkt stand dabei die Erkenntnis, dass Glaube ohne Glaubenszeugnis nicht möglich ist. Pfarrer Hentrich: "Daher wird jeder Getaufte gebraucht, weil nur er in seinem Lebensbereich den Blick auf Gott hin offen halten kann." Weiter betont er: "Glaube muss gelebt werden. Glaube muss probiert werden. Glaube muss geteilt und mitgeteilt werden. Glaube muss Praxis werden, ja Glaube muss zum Bestandteil meines Weltbildes und meines Lebens werden."

Mit den vier franziskanischen Ordensleuten hatte Pfarrer Hentrich und die Gemeinde Nordhausen kompetente Partner, die schon seit Jahren Erfahrungen in der Gemeindeerneuerung gemacht haben. Pater Claudius berichtet, dass in der Zeit vom 4. bis zum 18. September jeder Tag unter einem besonderen thematischen Stichwort lag. So der 5. September zum Thema "Lebensweisheit" oder der 17. September unter dem Motto "Sport und Geist". Feste Bestandteile der Gestaltung waren unter anderem die täglichen Gottesdienste, die besinnliche Tageseinstimmung "Frühschicht", Vorträge und Gespräche, thematische Abende in den Hauskreisen, eine liturgische Nacht, Haus- und Krankenbesuche und das so genannte "Missionstelefon", das zur Klärung von Fragen der Seelsorge sowie der Organisation täglich von 11 bis 12 Uhr besetzt war.

"Wichtig waren vor allem die persönlichen Gespräche, in denen Lebensfragen angegangen wurden", berichtet Pater Claudius. Von daher war die Gemeindeerneuerung eine Chance, nicht nur die Kerngemeinde anzusprechen. Schwester Angelucia machte in ihren Begegnungen die Erfahrung, dass gerade ältere Gemeindemitglieder die Sorge haben, wie es mit der Gemeinde weitergeht. Probleme wie der Wegzug der Jugend sowie zurückgehendes Glaubenswissen wurden immer wieder thematisiert. Andererseits, so Pater Wolfgang, "habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Leute, die hier zur Kirche stehen, ganz entschieden Christen sind." Und Schwester Veronika ist sich sicher, dass Glaube immer über persönliche Beziehungen erfahrbar wird: "Glaube braucht ein Gesicht." Als ein gelungenes Beispiel benennt Schwester Angelucia die persönliche Einladung zur Erneuerung, die Pfarrer Hentrich an alle Eltern schickte, die im vergangenen Jahr ihre Kinder taufen ließen. Und sie erinnert weiter an ein junges Ehepaar, in der nur die Frau katholisch ist. Sie, so Schwester Angelucia, lässt ihrem Mann die Freiheit lädt ihn jedoch ein, das er sie am Sonntag in die Kirche begleitet. Was er gern tut.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 39 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 30.09.2005

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