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Bistum Dresden-Meißen

Weiter ausholen

Katholischer Theologe Professor Eberhard Tiefensee predigte auf dem Leipziger Nikolaikirchhof

Schüler des Evangelischen Schulzentrums versuchten das Thema des ökumenischen Gottesdienstes 'Anpfiff' pantomimisch umzusetzen.

Leipzig (dw) - "Wer weit kommen will, muss weit ausholen", sagte der Erfurter Professor Eberhard Tiefensee vergangenen Sonntag in seiner Predigt zum ökumenischen Gottesdienst "Kirche auf dem Markt", mit dem sich Leipziger Christen jedes Jahr in der Öffentlichkeit präsentieren, und der Theologe machte das selbst gleich vor. Von den Ritualen, die einem Fußballspiel vorausgehen, kam er auf ein altes Ritual der katholischen Kirche zu sprechen: Bevor die heilige Messe beginnt und der Priester den Altarraum betritt, sagt er die Worte: "Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen hat."

Bei Gott existierten Gegensätze wie die zwischen Himmel und Erde, zwischen gesund und krank oder arm und reich nicht. Nikolaus Cusanus etwa habe über Gott gesagt, er sei der "In-eins-Fall aller Gegensätze". Nicht nur zu Beginn der Messe, sondern auch vor den Aktivitäten des Alltags empfahl Tiefensee, einen Moment lang innezuhalten, die eigene Weltsicht in Frage zu stellen und sich auf Gott auszurichten. Er erinnerte an den Evangelientext, der am 8. Oktober 1989, einen Tag vor der großen Montagsdemonstration, in der katholischen Kirche auf der Leseordnung stand: "Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen." Die darin liegende Botschaft gelte auch heute, bekräftigte Tiefensee: "Auch wenn alles ins Schwimmen gerät, mit Gott im Rücken kann ich losgehen"

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.09.2005

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