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Aus der Region

Öffnung zur Welt

Bischof zu fünf Jahre Kathedralforum

Bischof Joachim Reinelt

Das Kathedralforum – eines von heute vier Foren der Akademie des Bistums Dresden–Meißen – begann vor fünf Jahren mit seiner Arbeit in Dresden.

Fünf Jahre Kathedralforum – Herr Bischof Reinelt, welche Bilanz ziehen Sie?
    160 Veranstaltungen mit 13 000 Teilnehmern allein im letzten Jahr – das ist ein großartiges Ergebnis. Vor allem, wenn man die kleine Zahl von vier hauptamtlichen Mitarbeitern in Betracht zieht, ist das wohl in Deutschland einmalig. Ihnen ist gelungen, was ich mit dem Stichwort "Öffnung der Kirche zur Welt" umschreiben möchte. Wir haben es eben bei der kleinen Feier in einem Grußwort von einem so genannten Atheisten gehört, dass er sich im Kathedralforum schon fast zu Hause fühlt. Das ist doch enorm. Und das ist auch ein Zeichen für einen neuen Aufbruch in unserer Gesellschaft, dass man Fragen nicht mehr ausgeweicht, indem man den anders Denkenden ausweicht. Diese Chance zu nutzen, ist das Verdienst des Kathedralforums.
Was, hoffen Sie, können solche Gespräche zwischen Kirche und Gesellschaft bewirken?
    Wir machen oft einen Fehler: Wir haben vergessen, dass Menschen, die nicht im christlichen Glauben beheimatet sind, einen unwahrscheinlich weiten Weg gehen müssen, um uns Christen überhaupt zu verstehen. Sich auf der Ebene des Verstehens erst einmal entgegenzukommen, das ist der positive Aspekt solcher Gespräche. Ein missionarischer Charakter darf dabei durchaus zum Ausdruck kommen, aber mit einer großen Sensibilität.
Und was bewirkt dieses Gespräch auf der anderen Seite für die Christen?
    Ich will es einmal von mir sagen: Jedesmal, wenn ich an einer Veranstaltung teilgenommen habe, habe ich etwas Neues dazugelernt. Auch wir Christen profitieren von diesen Gesprächen.
Nicht bei allen Themen erschließt sich sofort, warum eine kirchliche Einrichtung sich damit beschäftigt. Warum muss Kirche am Gespräch über politische, gesellschaftliche, kulturelle oder naturwissenschaftliche Themen teilnehmen?
    Das entspricht dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Der Aufbruch in die Welt hinein ist für den Christen nicht eine Mode-Erscheinung, sondern ein Auftrag. So wie Jesus sich nicht nur an die Juden gewandt hat, haben auch wir als Kirche den Auftrag, Brücke zu den Menschen hin zu bauen, die von unserem Denken und Empfinden teilweise sehr weit entfernt sind.
Was wünschen Sie dem Kathedralforum?
    Ich wünsche den Mitarbeitern den Mut, die momentan brennenden Fragen anzusprechen. Ein Beispiel dafür ist die Wahrheitsfrage. Die Menschen um uns herum suchen darauf eine plausible, akzeptable Antwort. Sie suchen noch nicht nach der Gemeinschaft, die wir als Kirche ihnen auch bieten können. Aber wir müssen den ersten Schritt gehen.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.09.2005

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