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Auf zwei Minuten

Einen Menschen froh machen

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Man sagt uns Deutschen nach, wir seien meistens unzufrieden, hätten eine starke Neigung zum Klagen und würden unsere Lage schlecht reden. Die meisten Gespräche haben dann auch verschiedene gesellschaftliche oder auch persönliche Probleme und Krisen zum Thema. Bei solchen Begegnungen fühlt man sich in seiner negativen Einschätzung bestärkt, oder man ist deprimiert. Nun, wir haben bestimmt keinen Anlass zu einem naiven Optimismus. Wir dürfen uns nicht an der Wahrheit vorbeimogeln und müssen die Lage realistisch einschätzen. Unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme werden uns lange beschäftigen.

Probleme lassen sich leichter lösen, wenn man sie fröhlich und zuversichtlich anpackt. Der hl. Johannes Bosco ist da ein gutes Beispiel. Er begann in Fröhlichkeit und blieb durch Wort und Tat ein Verkünder der Freude mitten in den größten Sorgen. Er wusste (mit Theodor Fontane): "Wer schaffen will, muss fröhlich sein."

Eine frohe und fröhliche Grundstimmung steht aber nicht nur im Dienst von Problembewältigung. Sie ist einfach Leben spendende Kraft. Und was dem Leben, dem vollen Leben dient, ist allemal christlich. Der evangelische Pfarrer und Politiker Christoph Friedrich Blumhardt (1842–1919) war ein Mann, der durch sein Wort und Beispiel Trost und Freude unter den Menschen verbreiten konnte. Er war kein weltfremder Frömmler, sondern hat sich aktiv eingebracht in die sozialen Fragen seiner Zeit, sich der Arbeiterbewegung angeschlossen. Als Mitglied der SPD trat er als Abgeordneter des württembergischen Landtags für die Arbeiter und Armen ein. Er hat in einer Predigt Wichtiges über die Freude und Freudigkeit zu sagen: "Wer nicht freudig ist, ist nicht gescheit. Aber es ist so viel Jammer und Elend unter den Menschen; das legt sich manchmal wie ein Druck auf einen. Es kommt plötzlich eine Schwermut; man kann die Tränen kaum zurückhalten und weiß nicht, woher. Kommt das bei mir, dann schließe ich mich ein, damit niemand es sieht. Wir sollen dann um die Freudigkeit bitten ebenso wie um den Heiligen Geist. Denn wir brauchen Freudigkeit für uns und für andere und dürfen der Schwermut nicht nachgeben! Machen wir einen Menschen froh, so ist das viel wichtiger, als wenn wir viele bekehren. Froh machen: das ist Gott die Ehre geben; das ist Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen bringen. Und bringt nur erst wieder Gerechtigkeit in die Freude! Bringt Wahrheit in die Freude! Dann kommt es zur wahren menschlichen Kultur, und das ist Christus in dem, was er bringen wollte."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.09.2005

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