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Bistum Görlitz

Zeigen, was der Glaube wert ist

Die Pfarrgemeinde in Calau feierte das 75. Weihejubiläum ihrer Kirche

'Heute ist diesem Haus Heil widerfahren': Bischof Rudolf Müller und Pfarrer Peter Müller während des Festgottesdienstes. Foto: Jana Pozar

Calau - Am 21. September 1930 wurde die katholische Kirche St. Bonifatius in Calau nach nur einem halben Jahr Bauzeit unter dem Klang der drei Kirchenglocken geweiht. Das 75-jährige Kirchweih-Jubiläum feierte die Gemeinde am vergangenen Sonntag.

"Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat" begrüßte Bischof Rudolf Müller die Gemeinde und Gäste. "Wir erinnern uns in Dankbarkeit an die Anfänge. Es brauchte Jahrhunderte nach der Reformation, bis sich hier wieder Katholiken ansiedelten", sagte er.

Nach 1530 gab es in Calau kein katholisches Leben mehr. Erst im Jahre 1874 wurde in einem Betsaal nach über 300 Jahren der erste katholische Gottesdienst gefeiert. Der Saal wurde irgendwann zu klein und der Wunsch nach einer eigenen Kirche immer größer. 1897 wurde zunächst in Vetschau eine katholische Kirche eingeweiht Am 13. April 1930 konnte endlich auch der Grundstein für St. Bonifatius gelegt werden.

Die Lebendigkeit der Gemeinde in Calau, so der Bischof, sei maßgeblich Pfarrer Peter Müller zu verdanken. Beeindruckt sei er jedesmal, wenn er beim Betreten der Kirche das große, dunkle, massive Holzkreuz über dem Altar sieht. "Das ist einmalig in der Region." Für Christen bedeutet das Kreuz nicht Niederlage sondern Sieg. "Im Kreuz ist Heil, Leben und Hoffnung. Heute ist diesem Haus Heil widerfahren", betont Bischof Müller.

Gemeinde lebt nicht auf einer ruhigen Insel

Früher wie auch heute gibt es in Calau ein lebendiges Gemeindeleben. Aus der Kirche St. Bonifatius heraus wird die Gemeinde gestärkt ins Leben entlassen. Doch die Pfarrgemeinde zieht sich nicht auf eine ruhige Insel zurück. Inmitten der Stadt, an einer belebten Straße, zeigt sie allen, was der Glaube wert ist. "Es ist das individuelle Zeugnis des Einzelnen, das täglich gefragt ist", so Pfarrer Peter Müller.

Müller, der seit 1971 Pfarrer in Calau ist, übernahm bereits 1968 die Gehörlosen-Seelsorge im Bistum Görlitz. Der Gedanke der Ökumene zieht sich durch die ganze Zeit seiner Arbeit. "In der Ökumene gibt es ein sehr gutes Miteinander." Doch auch für die Kirchen hat sich in den letzten 15 Jahren Vieles geändert. "Wir haben einen sichtbaren und wirksamen Platz in der Gesellschaft bekommen", so Bischof Müller. Aber es treten auch neue Nöte und Probleme auf. Vor allem die zunehmende Entchristlichung wird mit Sorge betrachtet. "Die Zukunft macht uns arge Sorgen, doch braucht uns Christen nicht bange sein, im Kreuz liegt auch die Hoffnung", betont Rudolf Müller. Hoffnung war während des Festgottesdienstes allgegenwärtig.

Mit Leben war auch der Pfarrgarten am Nachmittag erfüllt, als die gesamte Gemeinde mit ihren Gästen aus Vetschau, Finsterwalde, Lübbenau und Altdöbern ihr Kirchweih-Jubiläum feierte.

Kein wehmütiger Blick zurück

"Gut, dass wir einander haben", war Pfarrer Peter Müller sichtlich gerührt. Am 1. Oktober geht er in den Ruhestand "Wenn es gesundheitlich nicht mehr geht, sollte man aufhören", meint er. Aber es ist kein wehmütiger, sondern ein dankbarer Blick zurück.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.09.2005

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