Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Nachdenken über Herz Jesu

Die Plauener Gemeinde feierte 100. Kirchweihfest

Pausengespräche im Kirchgarten bei der Herz-Jesu-Tagung am 3. September. Am Tag darauf folgten ein Festgottesdienst mit Bischof Joachim Reinelt und ein Gemeindefest. Foto: Dorothee Wanzek

Plauen - Vielerorts wird allenfalls noch die Tradition gepflegt, am monatlichen Herz-Jesu- Freitag zur Eucharistiefeier mit anschließender Anbetung einzuladen. Die Plauener Gemeinde dachte bei ihrem Jubiläum mit Christen aus Herz-Jesu-Gemeinden in ganz Deutschland über das gemeinsame Patrozinium nach.

"Jesus mit Außenborder" hatte sein Dozent für Kirchengeschichte die verbreiteten Herz-Jesu-Darstellungen des 19. Jahrhunderts genannt und gleich hinzugefügt, er könne mit dieser Form der Frömmigkeit nichts anfangen. Der junge Gemeindereferent Marcus Steiner aus Ennepetal war vom 2. bis 4. September einer der Gäste beim 100. Kirchweihfest der Plauener Gemeinde. Auch er gehört zu einer Herz-Jesu-Gemeinde. Bei einem Studientag zum Thema Herz-Jesu-Verehrung rzählte er, wie das zuvor nahezu vergessene Patrozinium in letzter Zeit in Ennepetal wieder eine Rolle zu spielen beginnt.

Als die Ennepetaler Herz-Jesu- Statue im Zuge der Kirchensanierung ihren angestammten, vier Meter hohen Standplatz verlassen musste, hätten sie manche Gemeindemitglieder zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, berichtete der Gemeindereferent. Bei einem Preisrätsel waren sie gefragt, das Gewicht des Standbilds zu schätzen, das vorübergehend in der Nähe des Altarraums stand, auf Augenhöhe und buchstäblich zum Anfassen. Das eine oder andere Gespräch begann an der Statue, angeregt auch durch die Tatsache, dass die Ennepetaler Herz-Jesu-Figur kein Herz mehr hat. Zur Zeit der Liturgiereform hatte es der damalige Pfarrer entfernt.

Marcus Steiner selbst hat sich bereits einige Zeit zuvor mit der Herz-Jesu-Symbolik beschäftigt. Erschlossen hat sie sich ihm erstmals beim Hören von Heinz-Rudolf Kunzes Neue-Deutsche-Welle- Hit "Dein ist mein ganzes Herz. Du bist mein Reim auf Schmerz ..." Er erinnerte sich plötzlich wieder an ein Herz-Jesu-Bild, das er als Kind geschenkt bekam, und begann sich zu fragen: "Warum eigentlich ist gerade dieses Bild zu mir gelangt?… "

Die Stuttgarter Benediktineroblatin Dr. Irmgard Schmidt- Sommer machte in ihrem Referaten deutlich, worum es den mittelalterlichen Mystikerinnen von Helfta ging, in deren Schriften das Herz Jesu eine große Rolle spielt: Sie hätten deutlich machen wollen , dass Gott den Menschen sehr nahe ist, dass er ein Gott des Lebens und der Liebe ist. Glaube brauche auch heute lebendige Bilder, ist Irmgard Schmidt-Sommer überzeugt. Sie räumt ein, dass manche Sprachbilder aus der Zeit des Mittelalters ihre Kraft verloren hätten und heute eher befremdlich wirkten. Bei der Bezeichnung "süßer Herr Jesus" beispielsweise sei den mittelalterlichen Hörern die Kostbarkeit von Süßigkeiten wie Honig bewusst gewesen.

Für Zeitgenossen näher und daher leichter erschließbar seien die Sprachbilder Edith Steins, in deren Theologie ebenfalls der Gott des Lebens und der Liebe zentral sei. "Mein Herz ist zur Krippe geworden", habe sie beispielsweise einmal geschrieben.

Der Plauener Dekan Heinz- Claus Bahmann erzählte, wie er eine Herz-Jesu-Figur auf dem Dachboden fand, als er 1994 in die Gemeinde kam. Er ließ sie sanieren und stellte sie wieder in die Kirche. Die Inschrift am Fuß der Figur soll aufgeschlossenen Kirchenbesuchern bei der Wieder- Annäherung helfen: "Ein Herz, offen für alle", ist dort zu lesen.



Hintergrund der Herz-Jesu-Verehrung

"Herz" gehört zu den Urworten der Heiligen Schrift. Es bezeichnet die gesamte Person, die leibgeistige Einheit des Menschen, den Sitz des Seelenlebens und des Willens. Nach Joh. 19,34 (... einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus ...) ist die geöffnete Seite Jesu Ursprung der Sakramente. In der frühen Theologie findet man Gedanken, die diese Vorstellung mit dem Herzen Jesu in Zusammenhang bringen. Gemeint ist seine liebevolle Hingabe, die den Menschen Erlösung brachte. Daran anknüpfend entstand im späten Mittelalter besonders in der Mystik eine Herz-Jesu-Verehrung. Später hat der Jesuiten- Orden diese Frömmigkeitsform gepflegt. Der Oratorianer Johannes Eudes feierte am 20.10.1672 erstmals mit bischöflicher Erlaubnis ein Fest zu Ehren des Herzens Jesu. Papst Pius IX. führte das Fest für die ganze katholische Kirche ein. Es wird am 3. Freitag nach Pfingsten gefeiert.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 15.09.2005

Aktuelle Buchtipps