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Sich beteiligen

Erfurter Katholikenrat zur Wahl

Alois Wolf, Vorsitzender des Katholikenrates des Bistums Erfurt

Der Katholikenrat des Bistums Erfurt hat zur Beteiligung an der Bundestagswahl am 18. September aufgerufen. Der Tag des Herrn sprach mit Katholikenrats-Vorsitzendem Alois Wolf.

Herr Wolf, warum ist es so wichtig, zur Wahl zu gehen?

    Aus den Medien hören wir, dass ein großer Teil der Wahlberechtigten noch unentschlossen ist und dass viele sich zurückziehen und nicht zur Wahl gehen wollen. Nicht zu wählen scheint uns als Katholikenrat die schlechteste Möglichkeit, weil man damit immer die extremen Ränder an beiden Seiten stärkt. Sich an der Wahl zu beteiligen, sich zu entscheiden und so Einfluss zu nehmen – das ist wichtig.

Bei der Vielfalt der Probleme, vor denen Deutschland steht, ist eine verantwortliche Wahlentscheidung sehr schwer. Was kann der Wähler tun?

    Man hat sicher die Möglichkeit, sich die Wahlprogramme anzusehen. Aber das werden die meisten nicht machen. Und wer in die Programme guckt, wird viel Allgemeines und wenig Konkretes fi nden. Ich glaube, es ist wichtig, sich an einigen konkreten Punkten zu orientieren. Welche Werte sind für mich wichtig? Ein solcher Punkt ist das Thema Arbeitslosigkeit: Wie stellen sich die Parteien die Schaffung neuer Arbeitsplätze vor? Das scheint mir in Deutschland das oberste Ziel zu sein. Wir haben fünf Millionen Arbeitslose. Und daran hängen viele weitere Probleme, beispielsweise auch notwendige Reformen bei Hartz IV. Ein anderes Thema ist die Familie: Welches Familienbild und welche Werte vertreten die Parteien in diesem Zusammenhang? Und drittens halte ich die schon begonnenen Reformen für ein wichtiges Wahlkriterium: Wer bietet umsetzbare Lösungen für die Reform der Sozialsysteme, für die Gesundheitsreform oder die Reform der Pflegeversicherung? Und wer ist dabei am ehrlichsten?
    Man wird wohl nicht immer die Partei finden, mit der man hundertprozentig übereinstimmt, aber dann muss man auswählen, welche Partei am besten mit den eigenen Vorstellungen zusammenpasst. Und manchmal bleibt einem vielleicht auch nur – wie man landläufig sagt – die Wahl des kleineren Übels.

Stichwort Ehrlichkeit: Woran lässt sich Ehrlichkeit im Wahlkampf erkennen?

    Wenn Politiker nur positive Versprechen macht, dann macht mich das skeptisch. Wenn aber einer sagt, dass es Veränderungen und Einschnitte geben wird, die vielleicht auch wehtun, ist das ein Zeichen für Ehrlichkeit. Ehrlichkeit lässt sich aber auch erkennen an der heute immer mehr eingeforderten Eigenverantwortung. Von wem wird diese Eigenverantwortung verlangt? Sind es nur die Schwächsten oder werden die Belastungen gleichmäßig verteilt?

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.09.2005

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