Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Dresden-Meißen

Was erleichtert Entscheidung für Kinder?

Familienverbände suchen auf Dresdner Fachtagung nach Lös

Dresden - In Sachsen werden seit 1994 wieder mehr Kinder geboren. Dennoch bleibt die Zahl der Geburten weit hinter der der Todesfälle zurück. Ein Geburtendefizit von 15 000 Menschen verzeichnet das Statistische Landesamt für 2004. Immer weniger Jüngere – das bringt die Rentenfinanzierung in ernste Gefahr.

Welche Anreize junge Menschen brauchen, um sich für ein Kind zu entscheiden, darüber haben Vertreter von sächsischen Familienverbänden, darunter vom Familienbund der Katholiken, auf einer Fachtagung in Dresden diskutiert.

Eine flexiblere Kinderbetreuung mahnte Bärbel Lein vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter an. Während die Arbeitszeiten abends immer weiter ausgedehnt würden, seien Kindertagesstätten nach wie vor nur bis maximal 18 Uhr geöffnet. "Viele allein erziehende und berufstätige Eltern wissen dann oft nicht, wohin mit ihrem Kind", sagte Lein.

Für Thomas Socha vom Deutschen Familienverband Sachsen steht so viel fest: "Junge Menschen entscheiden sich für Kinder nur, wenn sie mittelfristig Perspektiven für sich sehen." Da die finanzielle Belastung bei mehr Kindern jedoch größer ist, müssten Familien Zuschüsse vom Staat bekommen. Diese Förderung solle sich am Existenzminimum orientieren.

Der Heidelberger Sozialrichter Jürgen Borchert forderte, besser Verdienende ohne Kinder bei den Sozialabgaben stärker zu belasten und mit diesem Geld Familien mit Kindern mehr zu entlasten. Nach wie vor vollziehe sich ein Transfer von Mitteln weg von Eltern mit Kindern hin zu den Kinderlosen. Das Kindergeld mache dies nicht wett. "Ein Minimum an Umverteilung würde hier ein Maximum an Gerechtigkeit schaffen", so Borchert. Wolfgang Scherer, Professor an der Hochschule Mittweida, beobachtet eine paradoxe Entwicklung: "Wer in Sachsen auf eine berufliche Zukunft hofft, bekommt gerade keine Kinder. Eben weil er, um diese Zukunft zu sichern, flexibel sein muss, lange Pendler-Wege in Kauf nimmt oder gleich in die westlichen Bundesländer geht. Da sind Kinder ein Störfaktor." Junge Leute wiederum, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben, tendierten eher dazu, Kinder zu bekommen. Diesen aus eigener Kraft eine Zukunftsperspektive bieten, könnten solche Eltern allerdings kaum.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) plädierte für einen Kurswechsel in der Familienpolitik. Es müsse mehr für die künftigen Generationen getan werden. Die gegenwärtige Generation müsse dafür ihre Konsumsteigerung einschränken. Zudem dürfe Familienpolitik nicht länger ein "Reparaturbetrieb der allgemeinen Sozialpolitik" bleiben, wo die Bedürftigkeit als einziges Kriterium von Zahlungen gelte. Vielmehr müssten Familien ähnlich wie in der Wirtschaftsförderung generell unterstützt werden, da sie etwas für die Zukunft der Gesellschaft täten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 36 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.09.2005

Aktuelle Buchtipps