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Bistum Erfurt

Den Weg gemeinsam gehen

Eine Missionarin der Nächstenliebe besucht Ihre Heimatstadt Worbis

Schwester Benedikta freute sich über die Begegnung mit den Schülerinnen und Schülern in Worbis. Fotos: Holger Jakobi

Worbis - Schwester Benedikta gehört seit nunmehr 18 Jahren zum Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe. Seit Jahren arbeitet sie in Äthiopien. Im Rahmen ihres Heimaturlaubs besuchte Schwester Benedikta das Gymnasium in Worbis.

"Tragen Sie immer diese Kleidung", "Warum sind Sie in den Orden eingetreten" oder "Wie schaffen Sie es, gut zu denen zu sein, die man eigentlich nicht so mag?" Drei Fragen von Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse, denen sich Schwester Benedikta am Vormittag des 29. August im Marie-Curie-Gymnasium in Worbis stellte. Schwester Benedikta kam auf Einladung von Direktor Holger Kullmann und Pfarrer Karl-Josef Wagenführ, um über ihre Arbeit in Äthiopien zu berichten. Eine Aufgabe, die sie gern übernahm. Für Schwester Benedikta ist der Kontakt zu den Schülern und Lehrkräften des Marie-Curie-Gymnasiums besonders wichtig. Zum einen ist es die Verbundenheit mit den Menschen ihrer Heimat und zum anderen fühlt sie sich in ihrer Arbeit getragen. Immer wieder verweist sie darauf, dass die Worbiser und sie einen Stück Weges gemeinsam auf dieser Welt gehen.

Pfarrer Karl-Josef Wagenführ berichtete über die Äthiopienhilfe, die an der Schule Tradition hat. Beispielsweise mit dem Weihnachtskonzert in der Stadtkirche wird alljährlich ein Zeichen der Solidarität und des Teilens gesetzt. Aber es kommt in Worbis nicht nur darauf an, möglichst große Veranstaltungen durchzuführen oder möglichst viel zu spenden. Es sind vielmehr die kleinen Zeichen der Verbundenheit, die die Äthiopienhilfe und die Beziehung zu Schwester Benedikta lebendig halten. So beispielsweise als ein Schüler einmal einen kleinen Betrag mit den Worten gab: "Baguette ade …" Und auch im Religionsunterricht, den Pfarrer Wagenführ hält, wird immer wieder an Schwester Benedikta und Äthiopien erinnert. Und Direktor Kullmann betonte, dass es in einer Zeit, in der so viel über die Wichtigkeit von Normen und Werten geredet wird, darauf ankomme, dem Teilen auch Ausdruck zu verleihen. Als sichtbares Zeichen dafür übergab die Schülersprecherin des Gymnasiums an Schwester Benedikta die Spenden des zurückliegenden Jahres.

Schwester Benedikta gehört seit 18 Jahren zu den Missionarinnen der Nächstenliebe, die von Mutter Teresa in Indien gegründet wurden. Heute ist die Gemeinschaft weltweit aktiv. Für Schwester Benedikta heißt dies konkret, dass sie ihren Dienst in Äthiopien tut, dem ärmsten Land der Erde. Dennoch, sie möchte mit ihren Berichten aus diesem Land keine "Reklame mit der Armut" machen, wie sie selbst sagt. Spenden sind wichtig, aber sie sollen aus einer inneren Haltung der Verbundenheit gegeben werden und nicht aus momentaner Betroffenheit. Und für diese innere Verbundenheit wirbt Schwester Benedikta immer wieder. Einfühlsam berichtet sie von den Menschen, denen in Äthiopien beinahe alles fehlt. Die meisten Menschen dort leben in Armut, 51 Prozent sind unterernährt und 47 Prozent können weder lesen noch schreiben. Hauptprobleme sind die Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkrieges, die Dürre, der Hunger und Aids. Die Großstädte werden zu Orten, in denen immer mehr Menschen überleben wollen. Und in den Dörfern bleiben meist nur die Alten und Kranken zurück. In dieser Situation versuchen die Missionarinnen der Nächstenliebe, denen viele Äthiopier mit ihrer Arbeit zur Seite stehen, zu helfen. Schwester Benedikta ist derzeit Regionaloberin der Gemeinschaft. Insgesamt leitet sie 17 Häuser, in denen Kranke und Sterbende Zuflucht finden. Besonders engagiert sind die Frauen auch in der Betreuung der Findelkinder, nicht wenige von ihnen sind HIV-Positiv.

Eine Schülerin stellt in Worbis die Frage, ob es Schwester Benedikta schwer fällt, in Äthiopien zu leben. Anfangs, so Schwester Benedikta, hatte sie schon Heimweh und Eingewöhnungsschwierigkeiten, dies habe sich aber geändert. "Heute ist mein Zuhause die Welt", antwortet die Missionarin. Und sie berichtet davon, dass ihr Ordensleben sie ganz ausfüllt, auch wenn es oft schwer ist. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leben ganz reich wird. Reich durch Freude und auch durch Leid. Reich durch das Teilen mit anderen Menschen."

Inzwischen ist Schwester Benedikta wieder nach Äthiopien zurückgekehrt. Erst in zehn Jahren wird sie wieder auf Heimaturlaub in Worbis sein.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 31.08.2005

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