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Bistum Görlitz

Nachhaltige Wirkung

Ein amerikanischer und ein französischer Priester über ihre Erfahrungen bei Weltjugendtagen

Father Eric Bowman

Görlitz (as) - Für den einen ist es selbstverständlich, bei Weltjugendtagen dabei zu sein. Der andere ist zurückhaltender. Beide aber sind sich sicher, dass der Glaube der jungen Menschen gefestigt wird.

Eric Bowman ist Seelsorger in Daton im amerikanischen Bundesstaat Ohio. Dies sei sein dritter Weltjugendtag, erzählt er. Vor dem eigentlichen Ereignis in Köln war er mit einer Gruppe von elf Mädchen und Jungen in Görlitz zu Gast. Bowman hofft, am Rhein auch Leute wiederzutreffen, die er schon von den Weltjugendtagen in Paris und Toronto kennt. Für den Geistlichen ist es nicht nur ein Riesenevent, bei denen die Jugendlichen Spaß haben.

"Der Weltjugendtag bedeutet Erneuerung und Vertiefung des Glaubenslebens und bewirkt oft mehr als wir meinen", ist sich Bowmann sicher. Konkret habe er das bei einem jungen Mädchen erlebt, die einen tieferen Zugang zum Gebet und zum Leben der Kirche gefunden habe und später sogar Ordensschwester werden wollte. Auch die Tage in den deutschen Bistümern und in Köln stünden nicht für sich und würden nachhaltige Wirkung zeigen. "Die Jugendlichen nehmen ihre Erfahrungen überall hin mit. In ihr eigenes Leben, aber vor allem in die Gemeinden, in denen sie leben", meint Father Bowman.

Der französische Priester Emmanuel Blanc aus dem Bistum Annecy war zwar nicht beim Weltjugendtag, in diesen Tagen aber trotzdem unterwegs, um sich in Deutschland umzusehen und ein bisschen Urlaub zu machen. An den Weltjugendtag in Paris erinnert er sich noch genau. "Wir hatten damals einen schlechten Stand in der französischen Öffentlichkeit, die Medien kritisierten die Veranstaltung, weil sie angeblich viel zu viel koste und am Ende nichts bringe", so Blanc. "Vor dem diesjährigen Weltjugendtag in Köln haben die gleichen Medien durchaus positiv berichtet, weil man gemerkt hat, dass mehr dahinter steckt."

Und auch die Jugendlichen in Frankreich stünden heute anders dazu als noch vor ein paar Jahren. "Diesmal fahren Mädchen und Jungen nach Köln, die in Paris noch nicht dabei waren."

Einfache Lösungen gegen den schwindenden Glauben in der westlichen Welt gibt es aber für beide Geistlichen nicht. Blanc: "Ich bin skeptisch, wenn eine Gruppe daherkommt und sagt: ,So und so müssen wir es machen.‘ Das Ganze ist komplexer." Es komme viel mehr darauf an, dass junge Menschen es wieder lernen, über ihren Glauben zu sprechen und sich nicht zu verstecken.

Eric Bowman und Emmanuel Blanc sind sich nicht begegnet, aber trotzdem einig: Der Weltjugentag in Köln ist eine Chance, tiefer über den Glauben nachzudenken und zusammen mit Hunderttausenden zu erleben, dass man mit seinen Fragen und Problemen, mit seiner Hoffnung seinem Glauben nicht allein ist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 17.08.2005

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