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Bistum Magdeburg

Hier kann man auch mal toben

Netzwerk Leben in Wittenberg

Spielen, Basteln, Reden und Zeit-Haben: In Wittenberg gibt es eine Familienanlaufstelle des 'Netzwerk Leben'.

Wittenberg (ka/tdh) - Das "Netzwerk Leben" im Bistum Magdeburg hilft Familien in schwierigen Situationen – beispielsweise in Wittenberg.

Ein bunter Regenbogen strahlt auf der rot bemalten Wand. Schmetterlinge aus Papier schmücken die Fenster. Die Räume der Familienanlaufstelle der Stiftung "Netzwerk Leben" in Wittenberg leuchten in bunten Farben. Immer mittwochs können in der Projektwohnung Familien mit Problemen zusammenkommen, um ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Ehrenamtliche Helferinnen spielen mit den Kindern und haben Zeit für ein Gespräch. Wer will, kann auch einfach nur einen Kaffee trinken. "Manche sagen gar nichts und gucken nur, wie die Kinder spielen", sagt Cordula Särchen, die Leiterin der Initiative "Netzwerk Leben" in Wittenberg. "Doch oft gibt es ungeheuren Gesprächsbedarf. Die Menschen erwarten nicht unbedingt Lösungen, sie wollen einfach reden."

14 Ehrenamtliche gehören zum Wittenberger Netzwerk-Leben- Team. Seit Oktober 2004 gibt es die Familienanlaufstelle. Der Anfang war wenig ermutigend. Schwester Mechthild, Gemeindereferentin in Wittenberg, erinnert sich, dass das Team auch schon mal alles hinschmeißen wollte, weil keine Familien kamen. Dann habe man den Kontakt zu den Familienberatungsstellen der Stadt gesucht, die jetzt ihre Klienten auf das Angebot aufmerksam machen und auch selbst mit ihnen herkommen. Jeden Mittwoch kommen durchschnittlich sechs bis sieben Familien. "Doch es gibt immer noch viele, die sich nicht trauen", sagt Cordula Särchen.

Das kürzlich veranstaltete Sommerfest war ein großer Erfolg. Die Familienanlaufstelle hatte dazu auch die Familienberatungsstellen mit ihren Klienten eingeladen. Über 30 Kinder waren mit ihren Eltern gekommen. Auch Ute Müller hatte vier ihrer sieben Kinder mitgebracht. Sie kommt fast jeden Mittwoch. Probleme, die sie loswerden muss, hat sie genug. Die neunköpfige Familie lebt in einer Vier-Raum-Wohnung. Seit zwei Jahren suchen sie schon nach einem größeren Zuhause. Doch viele Vermieter schreckt eine Großfamilie ab, musste Ute Müller erfahren. Außerdem kann sich die Familie die oft verlangte Kaution nicht leisten. Für sie bedeutet der Mittwochnachmittag eine Entlastung. "Die Kinder freuen sich, wenn sie mal rauskommen." Platz zum Spielen gibt es in der Projektwohnung genug. "Hier kann man auch mal toben und es wird nicht gleich geschimpft", so Cordula Särchen.

Neben der Familienanlaufstelle veranstaltet "Netzwerk Leben" in Wittenberg zwei Mal pro Jahr eine Kleiderbörse. Mit den Einnahmen werden die zwei Schwangerschaftsberatungsstellen der Stadt unterstützt, etwa, wenn sehr kurzfristig in Notfallsituationen Geld aufgetrieben werden muss.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.08.2005

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