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Bistum Dresden-Meißen

Erstkommunionvorbereitung

Ungenutzte Chancen für Familien und Gemeinden

Der diesjährige Erstkommuniongottesdienst in der Strehlener St.-Petrus-Kirche. Das Altarbild-Mosaik, das einem Mosaik in der Brotvermehrungskirche bei Kapharnaum nachempfunden ist, schufen Väter und Kinder gemeinsam. Familien sind bei der Kommunionvorbereitung in vielfältiger Weise einbezogen.

Mit dem neuen Schuljahr beginnt in den meisten Gemeinden die Vorbereitung auf die Erstkommunion. Die Familien der Kommunionkinder sollten dabei intensiv einbezogen werden, meint Regina Schulze, Referentin für Kinderseelsorge im Bistum Dresden–Meißen.

Der Anteil der Erstkommunionkinder, die man in der Kirche nicht wieder sieht, sobald das Fest vorüber ist, nimmt zu. Wenn Kinder nicht erfahren, wie die eigenen Eltern ihren Glauben leben, ist es für sie schwer, am Ball zu bleiben. Dabei könnte gerade die Vorbereitung auf die Sakramente für die Gemeinden eine Chance sein, Mitglieder, die bisher am Rande standen, stärker einzubeziehen, meint Regina Schulze.

Die Referentin für Kinderseelsorge, die selbst sechsfache Mutter ist, hat seit Jahren Erfahrungen gesammelt mit einem familienorientierten Modell der Erstkommion- und Beichtvorbereitung, inspiriert vom Arbeitsmaterial "Gott mit neuen Augen sehen" des Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger. In Dresden-Strehlen, wo Regina Schulze bis 2002 Gemeindeassistentin war, hat sich diese Form der Familienkatechese bereits seit 1999 bewährt. Neben dem klassischen Erstkommunionunterricht für die Kinder gibt es hier monatliche Elternabende, die dazu ermutigen, die Kommunionvorbereitung ihrer Kinder als gemeinschaftlichen Weg für die ganze Familie zu nutzen. "Um sein Kind religiös zu erziehen, muss man nicht studiert haben. Es geht vielmehr darum, von innen heraus authentisch Kinder auf ihrem Abenteuer der Gottessuche zu begleiten und sich dabei selbst weiter zu entwickeln", formulierte Albert Biesinger einmal.

Viele Anregungen für das Familiengespräch

Regina SchulzeAnregungen zum Familiengespräch über den Glauben erhalten die Eltern in Strehlen nicht nur vom Pfarrer oder der Gemeindereferentin, sondern auch im Austausch untereinander in kleinen Gruppen. "Besonders intensiv wurde es immer, wenn es um das Thema Sterben und Leben nach dem Tod ging", erinnert sich Regina Schulze. In einem Vorbereitungskurs hätten die Eltern tiefgreifende Gespräche über das Thema Beichte geführt, und einige hätten anschließend erstmals seit vielen Jahren wieder selbst gebeichtet.

Viele praktische Anregungen und Gesprächsanstöße gibt ein "Familienbuch", das jede Familie durch das Jahr begleitet. "Unsere Kinder sind da begeistert mitgegangen", erzählt Renate Ulbricht, Mutter von fünf Kindern zwischen sieben und vierzehn Jahren. "Am Wochenende haben sie regelrecht von uns Eltern eingefordert, dass wir uns mit dem Familienbuch zusammensetzen." Etwas zu kurz kam ihrer Ansicht nach die Vermittlung von grundlegendem Glaubenswissen. "Viele Kinder, die zur Kommunionvorbereitung kommen, können das Vaterunser oder das Glaubensbekenntnis nicht. Da darf man nicht soviel voraussetzen", merkt sie an.

Zu bestimmten Anlässen, in der Adventszeit etwa oder zur Feier eines "Versöhnungsfestes", treffen sich Eltern, Kommunionkinder und ihre Geschwister gemeinsam. In Strehlen findet eine fünftägige Vorbereitungsfahrt statt, bei der die Erstkommunionkinder Mittwoch bis Freitag mit ihren erwachsenen Begleitern allein sind. Freitagabend bis Sonntag kommen ihre Familien dazu. Die Geschwister basteln während dieser Zeit beispielsweise ein Überraschungsgeschenk für die Kommunionkinder.

Es entstehen tragfähige Netzwerke

Auch unter den Teilnehmern dieser Familienkatechesen gibt es eine Reihe, die nach der Erstkommunion wieder auf Abstand gehen. Die eine oder andere Familie lässt sich aber doch einbeziehen in die Netzwerke, die im Zuge der Kommunionvorbereitung neu entstehen. Renate Ulbricht freut sich, das über die Erstkommunionvorbereitung regelrecht Freundschaften entstanden sind zu Familien, die vorher nur wenig Kontakt zur Gemeinde hatten.

"Ein Allheilmittel haben wir nicht, aber eine Chance, die wir im Bistum viel stärker nutzen sollten", wünscht sich Regina Schulze. Auch in Zittau, Bischofswerda und Dresden-Plauen werde diese Form der Sakramentenvorbereitung bereits regelmäßig praktiziert.

Für die Gemeinden sei es durchaus eine Herausforderung, sich zu öffnen für diejenigen, die ihre Kinder zur Erstkommunion anmelden, ohne sich eng an die Kirche binden zu wollen. "Gottesbeziehung kann weit gefächert sein. Wir sollten das aushalten und über niemanden urteilen", sagt die Kinderseelsorgerin. "Vielmehr können wir uns fragen: Was kann mein Beitrag sein, damit die diese oder jener einen Schritt auf Gott zu machen kann?", schlägt sie vor.



Kontakt

Regina Schulze lässt sich zum Thema Erstkommunion-Vorbereitung gerne von Gemeinden einladen. Telefon: (0351) - 336 47 06.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.08.2005

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