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Behutsame Reformation

In Zittaus steht eines der ältesten Franziskanerklöster Mitteldeutschlands

Kleines Zittauer Fastentuch: Von dieser Art gibt es nur noch sechs, eins davon in Deutschland. Fotos: Städtische Museen / Andreas Schuppert

Zittau - Die Leser der amerikanischen "Times" haben ihn zum Mann des Jahrtausends gewählt. Kaum ein anderer hat solch eine Wirkung in der Kirchengeschichte entfaltet wie der heilige Franziskus. Seine Ordensbrüder haben sich schon früh in der Region niedergelassen.

Weit ragt der Turm der früheren Franziskanerkirche St. Peter und Paul am Klosterplatz in Zittau über das Zentrum hinaus. Mit 70 Metern ist er wohl eines der höchsten Gebäude der Stadt. Daran angeschlossen ist das Franziskanerkloster, das heute zu den Städtischen Museen gehört. "Schon wenige Jahre nach dem Tod des heiligen Franziskus hat sich der Orden in der Lausitz niedergelassen", weiß Volker Dudeck, Direktor der Städtischen Museen in Zittau. 1268 entstanden, wirkte das Kloster bis in die Reformationszeit hinein im Sinne des Ordengründers.

Mönche durften bleiben und erhielten eine Leibrente

Für den konfessionslosen Museumsdirektor Volker Dudeck sind vor allem die Ereignisse in Zittau während der Reformation ein Phänomen. "Während in anderen Gegenden die Klöster niedergebrannt und die Insassen vertrieben wurden, übernahm die Stadt Zittau 1543 die Gebäude, gewährte den letzten Mönchen eine Leibrente und ließ sie bis zu ihrem Tode dort wohnen." Die Reformation in der Oberlausitz sei eben behutsam vor sich gegangen. "Und manche Klöster und Gemeinden haben sie ganz überstanden", so Dudeck.

Mönchisches Leben soll es in Zittau schon vor der Klostergründung gegeben haben. Die Brüder haben dabei die bereits 1109 gegründete Nikolaikapelle genutzt. 1293 wurde der Hochaltar der Kirche geweiht, 1313 eine Kapelle der heiligen Katharina und dem heiligen Martin gewidmet. Für 1488 ist der Beginn der Gewölbeausmalungen durch einen Bruder V../../incentius überliefert. Der Ostflügel des Klosters diente bis 1928 als Armenhaus. 1928 bis 1934 erfolgte der Umbau zum Museum. Die Kirche wird bis heute für Gottesdienste genutzt. "Das franziskanische Erbe im Museum ist ein wenig unterbelichtet", gibt Direktor Dudeck zu. Nach einem neuen Konzept soll sich das aber bald ändern.

Weit über Sachsen und Mitteldeutschland hinaus ist Zittau heute für seine berühmten Fastentücher bekannt. Mehr als 150 000 Besucher aus ganz Deutschland, Europa und Übersee haben inzwischen die Dauerausstellung des "Großen Zittauer Fastentuches" in der entwidmeten Heilig-Kreuz-Kirche gesehen, seit diese im Juni 1999 eröffnet wurde. "Rechnet man die Sonderausstellungen der Jahre 1995 bis 1997 in Riggisberg, Köln und Zittau dazu, kann man getrost noch einmal 50 000 addieren", freut sich Dudeck über den Zuspruch und das Interesse vieler Besucher.

"Zittau ist auf dem besten Weg, zu einem Wallfahrtsort für kunst- und religionsgeschichtlich interessierte Menschen aus aller Welt zu werden." Ausdrücklich lobt der Museumsleiter dabei die Zusammenarbeit mit den Kirchen, die Geistlichen der Stadt böten regelmäßig Meditationen vor dem Großen Fastentuch an.

Das aber wird in den nächsten Monaten Konkurrenz bekommen, denn zurzeit wird im früheren Franziskanerkloster eine Dauerausstellung für das "Kleine Zittauer Fastentuch" vorbereitet, das 1573 im Auftrag einer evangelisch-lutherischen Gemeinde geschaffen wurde. Es unterscheidet sich nicht nur in seinen Dimensionen vom Großen Fastentuch, sondern gehört auch zu einer anderen Art von Fastentüchern, dem so genannten Arma-Christi-Typ, der besonders die Passion thematisiert.

Geistige Erneuerung auf der "Via sacra"

Nur noch sechs Fastentücher dieser Art sind bekannt, eins davon in Deutschland. Hervorgehoben wird dabei die Kreuzigung Jesu, Inbegriff der christlichen Vorstellung von Erlösung und Heiligung, von Befreiung, Trost und Hoffnung. Ein "kulturelles Feuerwerk" verspricht Volker Dudeck auch den Pilgern auf der neuen "Via sacra", die wichtige kulturhistorische Stätten in Deutschland, Polen und Tschechien miteinander verbinden und der geistigen Erneuerung Europas dienen soll. Das Projekt befinde sich in der Endphase der Vorbereitung und werde im Herbst offiziell gestartet, wie Dudeck versichert.

Infos

Städtische Museen
Klosterstraße 3
Tel.: (03583) 55 47 90
Fax: (03583) 55 47 92 10
E-Mail: museum@zittau.de
Internet: www.zittau.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.07.2005

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