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Bistum Görlitz

Die Zeiten sind schwieriger

Caritas-Nebenstelle Finsterwalde feierte 15-jähriges Bestehen

Herzlich willkommen: Die Pflegedienstleiterin der Caritas-Sozialstation, Christa Stobbe (rechts), begrüßt die Gäste. Foto: Andreas Schuppert

Finsterwalde - Angst vor Arbeitslosigkeit, Sorge um die Existenz, aber auch frohe Stunden bestimmen den Beratungsalltag der Caritas-Nebenstelle in Finsterwalde. Am 23. Juli feierte die Einrichtung 15-jähriges Bestehen.

Beate Leis leitet das Haus in der Finsterwalder Geschwister- Scholl-Straße seit rund zehn Jahren. Sie hat erlebt, wie sich die soziale Situation vieler Menschen im Osten verändert hat: "Darauf mussten wir uns einstellen. Viele sind arbeitslos geworden, die Jüngeren sind weggezogen, um sich woanders etwas zu suchen", meint sie.

Ein Schwerpunkt der Arbeit liege deshalb heute in der Beratung und Betreuung von Arbeitslosen. "Der Ansturm ist enorm, wir können ihn kaum bewältigen." Für Beate Leis und ihre Kollegin hat sich die Situation jetzt vor allem mit der Einführung der neuen Sozialgesetzgebung geändert. "Man blickt in dem Gesetzeswald einfach nicht mehr durch", erzählt Sybille Krämer (Name geändert), die regelmäßig die soziale Beratung der Caritas in Finsterwalde aufsucht. Die arbeitslose Mutter eines behinderten Sohnes hat von einer Nachbarin erfahren, dass die Caritas Hilfe anbietet. "Sie unterstützen mich bei der Beantwortung der Post und geben alltägliche Hilfestellungen. Ich kann mir keine Stelle denken, die mir kompetentere Auskunft geben könnte."

Auch für die Pflegedienstleiterin der Sozialstation, Christa Stobbe, sind die "Zeiten schwieriger geworden". Die karitative Arbeit stehe heute im Spannungsfeld zwischen christlicher Ethik und staatlichen Vorgaben, sagte sie bei der Begrüßung der Geburtstagsgäste. "Mit zunehmender Individualisierung kann sich der Mensch in unserem Sozialstaat nicht mehr auf dessen Absicherung stützen." Für die Caritas käme es aber auch in Zukunft darauf an, sich im Geist christlicher Nächstenliebe um die Schwächsten in der Gesellschaft zu kümmern, und seien "es nur die zusätzlichen zehn Minuten am Bettrand des Patienten".

Trotz der Schwierigkeiten wollen die Caritas-Mitarbeiter in Finsterwalde, die zur Kreisstelle Senftenberg gehören, sowie die vielen ehrenamtlichen Helfer optimistisch in die Zukunft blicken, helfen, wo sie gebraucht werden. Neben der allgemeinen sozialen Beratung gibt es eine Senioren-Begegnungsstätte, bei der die Teilnehmer "viele frohe Stunden" erleben. Zudem ist in den Räumen die Kleiderkammer der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) untergebracht. Beate Leis, ihre Mitarbeiter, Klienten und viele Gäste hatten allen Grund zu feiern.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.07.2005

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