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Aus der Region

"Gott wohnt sogar in mir drin"

Eine Vorlesung für Grundschulkinder zur Frage nach Gott an der Kinderuniversität Erfurt

Verfolgten gespannt in einem Hörsaal der Universität Erfurt die Vorlesung 'Wo wohnt Gott?' von Professor Michael Gabel: Kinder der ersten bis dritten Klasse aus Thüringer Grundschulen.

Erfurt (tdh) - "Wo wohnt der liebe Gott?" Auf diese Frage versuchte der Erfurter Fundamentaltheologe und Seelsorger Michael Gabel gemeinsam mit 75 Mädchen und Jungen im Rahmen der Erfurter Kinderuniversität eine Antwort zu finden.

"Wo wohnt der liebe Gott?" Noch auf dem Weg zum Universitäts- Campus im Erfurter Norden hatten die Kinder aus der Grundschule in Kirchheim (Ilmkreis) und aus der Europa-Grundschule Erfurt auf diese Frage eine klare Antwort parat: "Im Himmel." Mit einem Studentenausweis ausgerüstet, waren die Mädchen und Jungen auf die Erfahrung gespannt, in einem richtigen Hörsaal zu sitzen und vielleicht sogar Experimente mitzuerleben.

Sie wurden nicht enttäuscht, denn Professor Michael Gabel, der zugleich Seelsorger in Ichtershausen im Dekanat Arnstadt ist, versprach den Kindern gleich zu Beginn, mit ihnen Experimente durchzuführen. Doch zunächst stellte auch er ihnen die Frage "Wo wohnt der liebe Gott?" Die Antwort kam prompt und wie aus einem Mund: "Im Himmel!" Mit der Antwort zunächst einmal zufrieden lud der Professor die Mädchen und Jungen und ihre zehn Lehrer und Begleiter ein, sich Gottes Wohnung doch mal genauer anzusehen. Mittels eines gespielten kurzen Filmabschnitts konnten sich die Kinder untermalt von Musik nun einen Spiralnebel mit Sternenzusammenprall anschauen. Klare Aussage im Anschluss: "Gott wohnt dort, wo Gewaltiges geschieht."

Spiralnebel, riesige Meereswelle, Grashalm

Nun waren die Grundschüler eingeladen, sich eine heranbewegende riesige Woge anzuschauen, aber auch das stille Meer mit herrlichen Bergen im Hintergrund. "Wo wohnt der liebe Gott also auch?", fragte Gabel die Kinder. "Gott wohnt nicht nur im Gewaltigen des Himmels, sondern auch der Erde." Nun waren die Mädchen und Jungen aus der ersten bis dritten Klasse eingeladen, sich eine dritte Bildsequenz anzuschauen: In starker Vergrößerung waren – untermalt von meditativer Musik – eine Wiese, Grashalme, Käfer, die Entpuppung eines Schmetterlings zu sehen. Ergebnis im Gespräch mit den Kindern: "Gott zeigt sich auch im Winzigen, in allem Kleinen, im Mikrokosmos in großer Schönheit."

So auf das Thema hingeführt, lud Gabel die Mädchen und Jungen nun zu einem Experiment ein. Drei Kinder sollten beschreiben, was sie auf einer großen spiegelnden Glaskugel sehen. Gemeinsame Erkenntnis: "Das Gewaltige um uns herum spiegelt sich auf dieser Kugel." Und auch bei einem weiteren Versuch mit zwei kleineren, spiegelnden Glaskugeln kamen die insgesamt vier Versuchs- Kinder zum gleichen Ergebnis.

"Wenn wir nun Kugeln so klein wie unsere Augen zur Verfügung hätten, würde sich auch darin das Größte hier im Hörsaal spiegeln", so Gabel zu den Kindern. "Und nun schließen wir mal alle unsere Augen und schauen, ob das Gewaltige auch in unseren Augen ist. – Tatsächlich: Gott, der im Himmel, im Gewaltigen und auch im ganz Kleinen wohnt, ist auch in uns Menschen."

Gott ist in allem Gewaltigen, Schönen und Lieben

"Aber Gott wohnt noch auf andere Weise in uns, durch liebe Menschen", so Gabel zu den Schülern. "Schließt nochmal eure Augen und fragt euch: Welche lieben Menschen kenne ich? Kann ich sie sehen? Höre ich sie sprechen?" – "Meine Mutti hat mit mir gesprochen", meldete sich ein Mädchen. Ein anderes hatte sogar den lieben Gott gesehen. "Was lernen wir daraus?", fragte der Professor die Kinder und ihre Begleiter. "Gott ist in allem Gewaltigen, Kleinen, Schönen und Lieben. Er ist draußen wie drinnen. Wir können ihn sehen, hören, zu ihm sprechen." Durch langandauerndes Klopfen auf die kleinen Tische des Hörsaalgestühls zeigten die Mädchen und Jungen dem Professor, dass ihnen die Vorlesung gefallen hatte.

Als Gedankenstütze erhielt am Ende jedes Kind eine kleine Silberkugel. Nach der Vorlesung gefragt, wo denn der liebe Gott wohnt, antwortete der siebenjährige Martin aus der Grundschule Kirchheim wie selbstverständlich: "Na überall!" Und für die Religionskinder des ersten und zweiten Schuljahres der Europa- Grundschule Erfurt war klar: "Er wohnt sogar in mir drin."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 08.07.2005

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