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Aus der Region

Aufbrechen, Unterwegssein, Ankommen

Pilgern gehört zur christlichen Spiritualität

Wigbert Scholle: Jugendpfarrer des Bistums Erfurt

40 Tage lang sind junge Leute zu Fuß als Pilger unterwegs – von Dresden nach Köln. Pilgern ist eine uralte religiöse Erfahrung.

"Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde (Genesis 12,1)." Mit diesem Worten beginnt die atemberaubende Geschichte Gottes mit Abraham. Und Abraham ist aufgebrochen, hat sich auf den Weg gemacht und ist so zum Vater unseres Glaubens geworden.

Aufbrechen, Unterwegssein, Ankommen – immer wieder geht es in der Bibel um diese drei Grundbewegungen des Menschen. So führt Gott sein Volk durch die Wüste ins gelobte Land. Auf diesem Weg wird es am Berg Sinai sein besonderes Volk, sein Eigentum. Die Propheten sind pilgernde Menschen, die immer wieder aufbrechen, um die Menschen zu Gott zurückzuführen. Und nicht zuletzt gehören die großen Wallfahrten zum alljährlichen jüdischen Leben, die das Volk Israel erinnern sollen, dass Gott mit ihm unterwegs ist.

Aufbrechen, Unterwegssein, Ankommen – mit diesen Worten kann man auch das Leben Jesu beschreiben. Nach seiner Taufe bricht er auf. Er verlässt sein bisheriges vorborgenes Leben. Er geht 40 Tage und Nächte in die Wüste. Dann ist er unterwegs durch die Städte und Dörfer und sein Tod am Kreuz lässt ihn ankommen beim Vater im Himmel.

Aufbrechen, Unterwegssein, Ankommen – Grundbewegungen des Glaubens. Es ist also nicht verwunderlich, dass das Pilgern, von Anfang an zur christlichen Spiritualität gehört. Schon in der konstantinischen Zeit werden große Wallfahrtsbasiliken über bedeutende Stätten des Lebens und Leiden Christi gebaut.

Später entstanden viele andere Pilgerziele, wo Erinnerungszeichen an den Heilsweg Jesu aufbewahrt werden. Rom, Turin, Santiago de Compostela, Aachen, Trier sind einige Beispiele.

Im Aufbrechen, im Unterwegssein, im Ankommen erfahren wir uns selbst, erfahren wir die Lebenswahrheit, die der heilige Augustinus so beschrieb: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir."

Der Weltjugendtag steht also in langer Tradition. Denn auch zu ihm machen sich Menschen aus aller Welt auf den Weg, um an einem Ort zusammenzukommen, um dort ihr Leben und ihren Glauben zu deuten und zu feiern. Doch es geht noch um mehr. Auf den Weltjugendtagen dürfen sich die Teilnehmer gegenseitig versichern, dass sie nicht allein auf ihrem Glaubens- und Lebensweg sind. Denn Glaube braucht Gemeinschaft, Glaube braucht Weggefährten.

Und auch die 40-tägige Fußwallfahrt "kreuzspuren" will helfen, diese Erfahrung zu machen: Wir sind als Gemeinschaft unterwegs, ich habe Weggefährten und Weggefährtinnen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 08.07.2005

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