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Bistum Dresden-Meißen

Gedenken an schuldlos Hingerichtete

Gedenkstein für polnische Widerständler eingeweiht

Dresden - Zur Erinnerung an polnische Widerstandskämpfer ist Ende Jui ein Gedenkstein auf dem Neuen Katholischen Friedhof in Dresden eingeweiht worden – unmittelbar neben dem Gedenkstein für die fünf 1999 selig gesprochenen Märtyrer.

Marian Sobkowiak war noch nicht ganz 17 Jahre alt, als er 1941 von der Gestapo verhaftet wurde. 1939 hatte sich der junge Pole in seiner Heimatstadt Gostyn der illegalen Widerstandsgruppe "Schwarze Legion" angeschlossen. "Vor unseren Augen hatte die Wehrmacht auf dem Marktplatz 30 Leute erschossen", erzählt er. "Wir sagten uns: Dagegen müssen wir Widerstand leisten." 1942 wurde er in Dresden verurteilt. Der Todesstrafe entging er nur, weil er noch nicht 18 Jahre alt war. Zwölf seiner Kameraden jedoch wurden am 23. und 24. Juni 1942 im Gebäude des Landgerichtshofs am Münchner Platz in Dresden hingerichtet. An sie erinnert jetzt ein Gedenkstein auf dem Neuen Katholischen Friedhof in Dresden.

Vieles spricht dafür, dass sie hier bestattet wurden. Genau weiß man es bis heute nicht. Die Behörden hatten den Bestattungsort geheim gehalten. Der Gedenkstein ist aus hellem Granit gefertigt und hat die Form eines Pultes. Auf der linken und rechten Seite sind die Namen der Ermordeten aufgeführt. In der Mitte steht auf Deutsch und Polnisch geschrieben: "In Memoriam der in Dresden hingerichteten Mitglieder der Widerstandsgruppe ‚Schwarze Legion‘ aus Gostyn (Polen) 23./24. 6. 1942 – Bürger der Region Gostyn".

Als Ort wurde die Stelle neben dem Gedenkstein für die fünf polnischen Märtyrer gewählt, die ebenfalls am Münchner Platz hingerichtet worden waren. Papst Johannes Paul II. hatte sie 1999 selig gesprochen.

Jedes Jahr im Juni kommt Marian Sobkowiak mit einem Kameraden von damals, der ebenfalls der Todesstrafe entging, nach Dresden. Sie legen Blumen in der Gedenkstätte am Münchner Platz und auf dem Neuen Katholischen Friedhof nieder. Unter anderem am Grab von Oblaten-Pater Franz Bänsch.

Der katholische Gefängnisseelsorger hatte damals viele zum Tode Verurteilte auf ihrem letzten Weg begleitet. Ende der 1960er Jahre knüpften Mitarbeiter der Gedenkstätte Münchner Platz und ehemalige kommunistische Widerstandskämpfer erste offizielle Kontakte zwischen Gostyn und Dresden. Seit Mitte der 90er Jahre gibt es auch regelmäßige Begegnungen zwischen Mitgliedern der evangelischen Heilig-Geist-Gemeinde Dresden-Blasewitz und Einwohnern von Gostyn.

1996 entschloss sich Marian Sobkowiak gemeinsam mit anderen Gostynern, Geld für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche zu sammeln. Mit 17 900 Euro finanzierten sie eine Flammenvase aus Sandstein, die heute einen der vier Ecktürme krönt. Es war die einzige größere Spende aus einem östlichen Nachbarland.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 08.07.2005

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