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Bistum Dresden-Meißen

Nach Gottes Plänen fragen

Das Dresdner-Meißner Pastoralprojekt "Gemeinden im Aufbruch"

Pastoralamtsleiter Bernhard Dittrich wünscht den Gemeinden 'Erleuchtung.'

Seit dem Start der Bistums- Initiative "Gemeinden im Aufbruch" vor einem Jahr wartet ein Öllämpchen symbolisch auf die erste Gemeinde, die sich verbindlich auf den Weg macht. Der Tag des Herrn sprach mit dem "Hüter" der Lampe, Pastoralabteilungs-Leiter Bernhard Dittrich, über die Fortschritte des Projekts.

    Die Reaktionen in den Gemeinden, die Sie zu Informationsgesprächen besuchten, waren sehr gespalten, teilweise gab es sogar stürmische Auseinandersetzungen. Hat Sie das überrascht?

Da ich weiß, dass alles Neue immer auch ein Stück als bedrohlich wahrgenommen wird, hat es mich nicht überrascht. Erstaunt war ich mitunter aber über den Einfallsreichtum bei den Ausreden, warum mancher sich nicht mit "Gemeinden im Aufbruch" auseinandersetzen will. Mir wäre sehr wichtig, dass verstanden wird: Es geht nicht um die Frage: "Was möchten wir gerne anpacken?" Es geht darum, sich der Frage zu stellen: "Was hat Gott mit unserer Gemeinde vor?"

    20 Gemeinden können sich bereits vorstellen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sind das eher Gemeinden, die vom Aussterben bedroht sind oder solche, in denen das Leben pulsiert?

In Schmochtitz vertreten waren völlig unterschiedliche Gemeinden, darunter auch einige, die mit anderen zusammengelegt wurden.

    Gerade diese reagieren auf das Projekt mitunter ablehnend, so als verstärke sich dadurch die Enttäuschung über die als Niedergang erlebte Fusion ...

Ich bin überzeugt, dass "Gemeinden im Aufbruch" auch hilfreich sein kann in einem Fusionierungsprozess, wenn dort nach den Charismen gefragt wird, die jede Gemeinde einzubringen hat. Ich habe selbst vor einiger Zeit mal erlebt, wie die Stimmung in einer fusionierten Gemeinde umschlug. Zuerst sagte man dort: "Jetzt macht ihr uns platt!" Als man begann, sich zu fragen: "Welche Potentiale haben wir denn?", trat einiges zutage, was zuvor niemandem so recht bewusst war …

    Wovon hängt es Ihrer Beobachtung zufolge ab, ob sich eine Gemeinde zum Mitmachen entschließt?

Ausschlaggebend ist sicherlich, welche Positionen jeweils die "Wortführer" einer Gemeinde einnehmen. Wenn die zur Überzeugung kommen, "das ist jetzt wirklich dran für uns!", findet sich meist schnell eine Gruppe, die das Projekt voranbringt. Das kann der Pfarrgemeinderat sein, aber auch eine anders zusammengesetzte Gruppe, die das zu ihrem Anliegen gemacht hat.

    Bis jetzt gab es keine Gemeinde, die ernsthaft in Erwägung gezogen hat, den Schwerpunkt ihrer Seelsorge auf eine missionarische Ausrichtung zu legen. Wo sehen Sie die Ursachen?

Mit dem missionarischen Bewusstsein und der Bereitschaft, etwas von Christus zu erzählen, hapert es in der katholischen Kirche wohl in ganz Deutschland. Ich fürchte manchmal, wir sind uns des Werts von Christi Botschaft und unseres Sendungsauftrags nicht bewusst.

    Wo sahen Sie in den vergangenen Monaten die Lichtblicke?

Unabhängig davon, welchen Weg jede Gemeinde derzeit einschlagen will, wurde ein Prozess des Nachdenkens über den Stellenwert der Seelsorge in den Gemeinden ausgelöst. Manche widmen sich Aufgaben, die sie schon vorher wahrgenommen haben, die ökumenische Gestaltung eines Kindergartens beispielsweise, nun bewusster.

Sie sprechen darüber, was ihnen wichtig ist und warum. Wenn eine Gemeinde zum Beispiel "Gemeinden im Aufbruch" vertagt hat, um sich mit ganzer Kraft auf den Weltjugendtag zu konzentrieren, sehe ich das durchaus positiv. Manche Pfarrgemeinderäte haben realisiert, dass nicht nur Aktivitäten abgehakt werden dürfen. Stattdessen wird verstärkt die geistliche Dimension der Gemeinde in den Blick genommen.

Fragen: Dorothee Wanzek



Hintergrund - Der nächste Schritt zum Aufbruch

Vor einem Jahr hatte Bischof Joachim Reinelt die Gemeinden des Bistums zu einem geistlichen Erneuerungsprozess unter dem Motto "Gemeinden im Aufbruch" eingeladen. In 55 Gemeinden haben Mitarbeiter der Pastoralabteilung des Bistums in den vergangenen Monaten bereits über das Projekt informiert. Vertreter aus 20 dieser Gemeinden sind Ende Juni der Einladung ins Bischof-Benno-Haus Schmochtitz gefolgt, sich auf einen nächsten Schritt des eingeschlagenen Weges vorzubereiten. Sie bekamen dabei vor allem konkrete Tipps zu der Frage: "Wie kann eine Gemeinde erkennen, was Gott von ihr will?" Pfarrer Gregor Giele erläuterte ihnen dazu Methoden aus der Spiritualität Ignatius von Loyolas. Unter anderem sei es wichtig, dass die Frage nach dem Willen Gottes in großer Offenheit gestellt werde. Sie müsse mit der Bereitschaft verbunden sein, auch ungeliebte Antworten und Wahrheiten anzunehmen und später mitzutragen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 08.07.2005

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