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Bistum Magdeburg

50 Jahre vom Kreuz bewegt

Lebendige Vielfalt und kritischer Geist prägen die Gemeinde Heilig Kreuz in Halle

Bunt wie ihr Altar ist die Gemeinde Heilig Kreuz, sagt Pfarrer Koschig, hier neben Albert Vogt. Foto: Kirsten Anders

Halle - Als Ort des innerkirchlichen Aufbruchs und der politischen Opposition zur Zeit der SED-Diktatur erlebte die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Halle viele Höhen und Tiefen. Der kritische Geist ihres ersten Pfarrers Friedhelm Wortmann prägt sie bis heute. Jetzt feiert die Gemeinde ihr 50-jähriges Bestehen.

"Sehen Sie sich den Altar an", sagt der Pfarrer von Heilig Kreuz Magnus Koschig, wenn man ihn nach seiner Gemeinde fragt. "Seine bunten Farben spiegeln die Vielfalt der Gemeinde wieder." Möglichst alle sollen sich hier versammeln können: ob jung oder alt, ob im Glauben traditionell geprägt oder modern, der Kirche gegenüber aufgeschlossen oder kritisch. "Bei dieser Spannweite ist es natürlich, dass auch viel diskutiert wird", weiß Koschig. Dies war schon zur Zeit des ersten Pfarrers Friedhelm Wortmann so. "Er ist ein Kontinuum bis heute. Jeder, der hier Pfarrer wird, muss ein Stück dieser Spannweite verkörpern", so Koschig.

Im Oktober vor 50 Jahren wurde uner Pfarrer Wortmann die Gemeinde "Zum heiligen Kreuz" gegründet. Da es in der Region wenig katholische Priester gab, war er aus dem Westen nach Halle gekommen. Von Anfang an stand er in klarer Opposition zum DDRStaat. "Wir waren stolz, dass einer da war, der Widerstand leistete", erinnert sich Albert Vogt, der bis heute der Gemeinde angehört. "Pfarrer Wortmann hatte eine unvorstellbare Ausstrahlung. Er ist ein hochintelligenter, frommer Mann", beschreibt er den ersten Pfarrer. Öffentlich wandte sich Wortmann gegen die SED-Diktatur. Mehrmals wurde er deshalb inhaftiert. An einen Satz aus seinen Predigten kann sich Vogt noch genau erinnern: "Wenn ihr mich einsperrt, tut ihr nur Gutes. Denn ich habe endlich mal Zeit, für meine Schäfchen zu beten."

Erster Pfarrer führte Reformen ein

Innerhalb der Gemeinde führte Wortmann schon vor der offiziellen Erlaubnis die Handkommunion ein und gründete einen Gemeinderat, um auch Laien bei der Gestaltung des Gottesdienstes einzubeziehen. Immer ging es ihm um das Mitwirken aller Gemeindeglieder, ein Anliegen, dass die Gemeinde bis heute prägt. Schon bald besaß die Gemeinde eine große Ausstrahlung nach außen, sagt Vogt. Vor allem junge Leute fühlten sich angesprochen.

Bald begann der Staatssicherheitsdienst, alle Schritte des Pfarrers zu überwachen. Auch innerhalb der Gemeinde gab es Spitzel, die auch die Kirchenleitung über Wortmanns Vorgehen informierten. 1964 forderte die Stasi die Abschiebung Wortmanns aus der DDR. Die Kirchenleitung stimmte zu, weil die Stasi Druck ausübte oder weil ihnen Wortmanns Art der Gemeindeleitung selbst ein Dorn im Auge war.

Der Pfarrer wurde in den Westteil des Erzbistums versetzt, doch auch die Nachfolger führten seine Arbeit fort. So wurde die Heilig- Kreuz-Gemeinde zu einem wichtigen Standort des oppositionellen "Aktionskreises Halle".

Heute sind der Gemeinde besonders Ökumene und Versöhnung wichtige Anliegen. "Dazu zählt auch die Versöhnung mit den Menschen dieser Zeit", betont Pfarrer Koschig. "Sie sollen wieder Zugang zur Kirche finden."

Auch heute vom "Kreuz bewegt"

Ab 2. Juli feiert die Gemeinde eine Woche lang mit zahlreichen Veranstaltungen ihr Gemeindejubiläum. Auch der heute 86-jährige Pfarrer Wortmann hat je nach Gesundheit sein Kommen zugesagt. Das Motto der Feierlichkeiten lautet "Kreuz bewegt". So war es in der Vergangenheit und so soll es auch in Zukunft bleiben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 30.06.2005

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