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Bistum Erfurt

Kein Ofen, der sich selber wärmt

100 Jahre Pfarrgemeinde in Jena

Die Jenaer Gemeinde und ihr Pfarrer, Domkapitular Karl-Heinz Ducke (links) empfangen nach dem Gottesdienst die Grüße und Glückwünsche der benachbarten Gemeinde in Weimar. Foto: Holger Jakobi

Jena - 30 bis 40 Erstkommunionkinder, 40 bis 50 Firmlinge gehören in Jena zum Leben der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist. Zahlen, die auf eine lebendige Gemeinde hinweisen. Am zurückliegenden Samstag und Sonntag wurde das 100- jährige Jubiläum der Neugründung der Pfarrei gefeiert.

Heute leben etwa 5000 Katholiken im Pfarrgebiet von St. Johannes Baptist. Dabei sind es besonders die Familienkreise, welche die Gemeinde stärken, betonen Joachim und Angelika Willeke, die mit ihren drei Kindern zum Gemeindefest gekommen waren. Selbst sind die Willekes seit 20 Jahren in einem der vielen Familienkreise aktiv. Joachim Willeke erinnert in diesem Zusammenhang auch an die bedeutende, zusammenhaltende Rolle der Familienkreise in der DDR-Zeit. Gute Erfahrungen mit seinem Familienkreis hat auch Klaus-Peter König gemacht: "Wir sind sehr gut aufgenommen worden. Da hat es keine Rolle gespielt, dass ich evangelisch bin." Kommunionhelfer Raik Stoschek erinnert an die gute Ökumene in Jena und Umgebung. So wird es beispielsweise im September den zweiten Ökumenischen Stadtkirchentag geben. Raik Stoschek sieht seine Gemeinde ansonsten als einen "pulsierenden Organismus" an, dessen Stärke die Fähigkeit zur Integration aller Katholiken ist, die Dank der guten Rahmenbedingungen in die Stadt kamen und noch immer kommen. Eine anerkannte Universität, Forschung und Bildung sowie gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen machen Jena attraktiv.

"Was an der Gemeinde gut ist, das sehen wir heute hier beim Fest", betont Stadtrat Norbert Comouth (CDU), "aber ich frage auch danach, was können wir noch verändern und da bin ich durchaus etwas selbstkritisch." Ein Problem, das Norbert Comouth unter anderem bewegt, ist die Seelsorge im Umland, da nur noch in Bürgel und Dorndorf Gottesdienste angeboten werden. "Wie geht die Seelsorge da weiter?" Norbert Comouth ist zudem der Meinung, dass die Aufgaben einer Diasporagemeinde nur gelöst werden können, wenn sie auf viele Schultern verteilt werden.

"Der gestrige Festakt zeigte, wie bunt unsere Gemeinde ist", freute sich der Jenaer Pfarrer, Domkapitular Karl-Heinz Ducke, zu Beginn des festlichen Gottesdienstes in der evangelischen Stadtkirche St. Michael. Unter dem Motto "100 Blumengrüße für St. Johann Baptist" hatten sich am Abend zuvor die Gemeinde, ihre Seelsorger sowie zahlreiche Gäste, darunter Bischof Joachim Wanke, im Jenaer Volkshaus zu einer großen Jubiläumsgala getroffen.

Die 100 Blumengrüße schmückten schließlich am Sonntagvormittag auch die evangelische Stadtkirche St. Michael. In seiner Predigt wies Bischof Joachim Wanke, der an diesem Tag übrigens seinen 39. Priesterweihetag feierte, die Gemeindemitglieder auf drei tragende Punkte hin. Zuerst benannte er die Christusberührung, die Begegnung mit dem lebendigen Herrn. "Erhebet die Herzen. Antwortet nicht nur mit dem Mund, sondern mit eurem ganzen Leben", betonte der Bischof. Als zweiten Punkt wies Joachim Wanke auf eine notwendige Vernetzung untereinander hin. Und zum dritten Punkt sagte der Erfurter Bischof: "Die christliche Gemeinde ist kein Ofen, der sich selber wärmt. Gemeinde soll Salz und Licht inmitten der Gesellschaft sein. Christ kann nur der sein, der etwas von dem, was ihm geschenkt wurde weitergibt an die Welt." Ein gelebtes christliches Leben, so der Bischof, zähle heute sehr viel und wird nicht ohne Wirkung bleiben. "Seid Zeugen Christi für all diejenigen, die nach dem fragen, was wirklich trägt."

Zum Jubiläum erschien eine umfassende Festschrift mit dem Titel "Unterwegs mit Christus durch die Zeit."



Hintergrund - Ein kurzer Blick in die Geschichte

Jena (bip) - Die katholische Pfarrkirche "St. Johannes Baptist" ist die älteste Kirche in Jena. Ihre Ursprünge reichen in das zehnte Jahrhundert. Bis zur Reformation war sie die Pfarrkirche der Stadt, später nur noch Friedhofskapelle und oft dem Verfall preisgegeben. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt schenkte Napoleon die Kirchenruine der kleinen katholischen Gemeinde, die sich um einen französischen Emigranten, den Priester Gabriel Henry, gesammelt hatte.

1813 wurde die Pfarrei wieder aufgelöst und die Seelsorge ab 1817 mit der Pfarrei Weimar verbunden. 1905 erhob der Fuldaer Bischof Adalbert Endert Jena zur selbstständigen Pfarrei, zu der 900 Katholiken unter den damals 25 000 Einwohnern gehörten. Grundlegende Um- und Ausbauten aus dieser Zeit zeugen von den Erfordernissen lebendigen Gemeindelebens. 1999 bis 2002 erlebte die Kirche die vorerst letzte Sanierung und Neugestaltung. Da die Pfarrkirche für einige Anlässe zu klein ist, feiern die Jenaer katholischen Christen ihre großen Gottesdienste – wie jetzt zum Jubiläum, zur Erstkommunion oder zu Weihnachten – in der evangelischen Stadtkirche St. Michael. Heute gehört die katholische Pfarrgemeinde Jena zum Bistum Erfurt und umfasst die Stadt Jena und alle umliegenden Orte bis nach Dornburg im Norden, Bürgel im Osten, Rothenstein im Süden und Großschwabhausen im Westen. Etwa 5000 Katholiken wohnen in diesem Gebiet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 30.06.2005

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