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Bistum Magdeburg

"Ein Geschenk für Bitterfeld"

Seit acht Jahrzehnten gibt es in Bitterfeld einen katholischen Kindergarten

Für den Empfang nach dem Festgottesdienst hatten Erzieherinnen und Kinder ein umfangreiches Programm vorbereitet, darunter diesen kubanischen Tanz. Foto: Eckhard Pohl

Bitterfeld - Als "ein großes Geschenk für Bitterfeld" hat der Geistliche Direktor des Diözesan-Caritasverbandes, Günther Brozek, die katholische Kindertagesstätte St. Josef der Stadt bezeichnet. Kinder, Erzieherinnen, Eltern und Pfarrgemeinde feierten jetzt das 80-jährige Bestehen.

"Uns war es stets wichtig, dass unsere Kinder den Glauben in der Gemeinschaft Gleichaltriger leben und vertiefen können", sagt Annett Eichhoff. Die Bitterfelderin und Mutter von drei Kindern ist selbst vor 36 Jahren als Kind im Kindergarten der Pfarrei gewesen. "Für meine Eltern war damit in der DDR ein Stück Bekenntnis zum christlichen Glauben verbunden", sagt die 39-Jährige.

Ihre beiden 16- und 14-jährigen Söhne haben die Kindertagesstätte kurz nach der Wende besucht und ihre sechsjährige Tochter gehört zurzeit noch zu den Kindern der Einrichtung. "Die Großen waren noch im Franziskushaus. Aber auch sie sind gern gegangen", sagt Frau Eichhoff.

"In der Familie können wir sozusagen nur unseren eigenen Glauben als Eltern den Kindern weitergeben und mit ihnen zu leben versuchen", sagt Frau Eichhoff. "Um sie in ihrem Glauben stark zu machen, ist die Gemeinschaft eine große Chance." Bei ihren beiden Söhnen mache sie die gute Erfahrung, dass Freundschaften aus Kindergartentagen bis heute fortbestehen, sich die Jugendlichen zum Beispiel im Gottesdienst treffen. Und sogar unter den Eltern gibt es bis heute Kontakte: "Aller zwei Monate treffen wir uns zum Elternstammtisch."

Dass dieser Kindergarten für Bitterfeld ein "großes Geschenk" war und ist, betonte auch der Geistliche Direktor des Diözesan- Caritasverbandes, Günther Brozek. Die Caritas hat die Aufsicht über die Kindertagesstätten, auch wenn die Pfarrei Trägerin der Kita ist. Domkapitular Brozek warnte davor, bei der derzeitigen Erarbeitung neuer Bildungsprogramme für die Kindertagesstätten im Zeichen von Pisa diese nicht zu überfrachten und die Kinder Kinder bleiben zu lassen. Im Blick auf die Erzieherinnen sagt Brozek, die meisten von ihnen seien sich bewusst, dass sie heranwachsenden jungen Menschen behilflich sind, ihr Leben zu entfalten, um einmal als Erwachsene mit beiden Beinen im Leben stehen zu können. Dies sei eine große Aufgabe. In diesem Sinne danke er auch im Namen des Bischofs allen, die die Kinderbetreuung in Bitterfeld bisher begleitet, ermöglicht und durchgeführt haben.

Dass in Bitterfeld das 80-jährige Kita-Bestehen gefeiert wurde, lag daran, dass es zum 75. und wohl auch zum 50. Geburtstag nicht möglich war, wie die Leiterin und Schönstätter Marienschwester Josefa Sommer sagte. "So haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr ein solches Fest zu begehen." Der Tag für die Öffentlichkeit mit Festgottesdienst und -programm am 15. Juni, zu dem auch zahlreiche ehemalige Kindergartenkinder kamen, war Teil einer Festwoche mit Puppentheater, Fahrt in die Natur, Indianerfest und Kinderfest für Eltern und Großeltern.

Die Kita hat eine Kapazität von 60 Kindern. Nur zehn der in drei altersgemischten Gruppen lebenden Mädchen und Jungen sind getauft, die meisten keine Christen. Unter den Kindern sind etliche aus sozial schwachen Familien, wie Pfarrer Thomas Kriesel sagte. Auch er dankte den Erzieherinnen unter Leitung von Schwester Josefa ausdrücklich für ihr großes Engagement zum Wohl der Kinder.



Chronik - Kindertagesstätte mit Tradition
  • Seit 1925 Betreuung von Kindern durch Schwestern von der heiligen Elisabeth (Graue Schwestern) im 1923/24 errichteten Franziskushaus. 1937 übernehmen Schönstatt- Schwestern die Leitung.
  • Von August 1941 bis April 1945 ist der Kindergarten wegen der Kriegsverhältnisse geschlossen.
  • Am 3. Mai 1945 Wiedereröffnung mit 30 Kindern.
  • Während der DDR-Zeit wird die Einrichtung offiziell ignoriert. Es gibt keine Zuschüsse, keine Unterstützung, keine Beachtung.
  • Wende neue Gesetze und Auflagen auf die Einrichtung zu. Die Kita ist für die gemeldeten Kinder zu klein.
  • 1992 Baubeginn einer neuen Einrichtung. Nach vielen Schwierigkeiten 1996 erneuter Baubeginn.
  • 1998 Umzug in den Neubau
  • 2004 Grundsanierung des Spielplatzes.
  • Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
    Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 26.06.2005

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