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Bistum Magdeburg

Wo sonst spricht man über den Sinn des Lebens

Jugendfeier zur Lebenswende in Dessau

Jugendliche stimmen sich auf ihre Feier zur Lebenswende ein Dessau (dw) - Das Kichern und Tuscheln ebbt langsam ab, die 13- und 14-Jährigen hören der entspannenden Musik aus dem Kassettenrekorder zu und richten ihren Blick auf die brennende Kerze, die - von regenbogenfarbigen Tüchern umfächert - zwischen ihnen auf dem Fußboden steht. Im katholischen Gemeindehaus Dessau-Süd hat die Vorbereitungsstunde für die "Jugendfeier zur Lebenswende" begonnen.
Zwölf Mädchen und sechs Jungen aus dem Dessauer Liborius-Gymnasium sind der Einladung von Pfarrer Heinrich Haskamp und dem Roßlauer Gemeindereferent Ralf Knauer gefolgt. Seit September treffen sie sich regelmäßig, um sich auf ihre "große Stunde" am 28. April in der Pfarrkirche Dreieinigkeit vorzubereiten. Gemeinsam mit ihren beiden Wegbegleitern nehmen sie ihr eigenes Leben in den Blick, reden über Gott und die Welt und über den Platz, den sie in der Gesellschaft einmal einnehmen wollen. Symbolisch haben sie zum Beispiel die guten und schlechten Erfahrungen in einer Kette aus dunklen und hellen Perlen aufgereiht. Für die nächste Zusammenkunft ist eine Diskussionsrunde über die Würde menschlichen Lebens geplant. Politiker, Schwangerenberater und Vertreter eines Behindertenprojektes sollen daran teilnehmen.
"Ich finde es gut, dass wir hier über den Sinn des Lebens sprechen und über andere Themen, auf die man im Alltagsgeschehen sonst gar nicht kommt", sagt Marit, die wie auch die anderen angehenden Jugendlichen ohne Konfession ist. Pfarrer Haskamp und Ralf Knauer ist es wichtig, dass die Mädchen und Jungen bei der Vorbereitung und Gestaltung der Jugendfeier ihre eigenen Ideen und Wünsche einbringen können. Während der Feier legen sie beispielsweise Wert darauf, sich persönlich vorzustellen, den Eltern zu danken und ihre Vorstellungen von der Zukunft zu formulieren. Bei der Auswahl der Musik möchten sie ebenfalls unbedingt ein Wörtchen mitreden.
"Wir wollen ihnen in dieser wichtigen Lebensphase Unterstützung anbieten, ohne ihnen aber etwas überzustülpen oder gar hinten herum zu missionieren", erläutert Ralf Knauer, der in der Dessauer Region Beauftragter für katholischen Religionsunterricht ist. "Natürlich haben wir auch gesagt, was für uns als Christen im Leben wichtig ist und uns dabei um eine Sprache bemüht, die nicht innerkirchlich geprägt ist."
Für Kathi war gerade der Wunsch, mitgestalten zu können, ein Argument gegen die Jugendweihe, von der sie gehört hat, dass dort "immer schon alles festgelegt sei". Nachdem der Direktor ihrer Schule vor den letzten Sommerferien auf die geplante Jugendfeier zur Lebenswende hingewiesen hatte, bestärkte auch ihre Mutter sie in dem Wunsch, daran teilzunehmen. Die Jugendweihefeier, die sie bei Kathis Cousine erlebt hatte, hatte sie als "steif und trocken" empfunden. "Das, was uns von unserer eigenen Jugendweihe in Erinnerung geblieben ist, wollen wir für unsere Kinder nicht", hatten mehrere Eltern bei einer Informationsveranstaltung gesagt. Das Bedürfnis nach einer persönlicheren und stimmungsvolleren Feier war auch für Vicki ausschlaggebend: "Ich finde die Atmosphäre einer Kirche einfach schöner als die im Theater oder im Waggonbau, wo in Dessau die Jugendweihe stattfindet."

Ob ein derartiges Alternativangebot auch im nächsten Jahr wieder angeboten wird, hängt nach Auskunft von Ralf Knauer davon ab, wie die diesjährigen Teilnehmer das Ganze im Nachhinein bewerten. "Grundsätzlich wären wir aber schon bereit", sagt er. Inspiriert war das ganze von den Jugendfeiern zur Lebenswende im Erfurter Dom, die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfinden. Die Abteilungen für Schule und Pastoral im Bistum Magdeburg hatten vor rund zwei Jahren dazu aufgerufen, derartige Angebote auch im Umfeld der katholischen Gymnasien zu machen, die knapp zur Hälfte von Schülern besucht werden, die keiner Kirche angehören. In Halle findet eine Jugendfeier zur Lebenswende am 6. Juni statt, in Magdeburg am 12. Mai.

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