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Aus der Region

Ostdeutsche Diaspora als Chance

Ein Werkstatttag in Leipzig

Leipzig - Worin liegen die Chancen der ostdeutschen Diasporasituation? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Werkstatt-Tages, zu dem das Bischof-Benno-Haus Schmochtitz, die Katholische Akademie des Bistums Dresden–Meißen und der Tag des Herrn eingeladen hatte.

Wie Mehltau liege über manchen Gemeinden das Bewusstsein, vieles erst kürzlich mit großer Begeisterung, Mühe und Herzblut Aufgebaute in den nächsten Jahren wieder abbauen zu müssen. Dieses Stimmungsbild gab Bernhard Dittrich, der Leiter der Pastoralabteilung im Bistum Dresden–Meißen, am 8. Juni im Leipziger Dominikanerkloster. Unter den rund 30 versammelten Frauen und Männern aus den vier Bistümern des Tag des Herrn-Verbreitungsgebietes war aber eine andere Stimmung vorherrschend.

Aus der Perspektive unterschiedlicher kirchlicher Aufgabengebiete richteten die Teilnehmer den Blick auf zukunftsträchtige Wege und Projekte, Menschen hierzulande mit dem Evangelium in Berührung zu bringen. Schwester Susanne Schneider von der Leipziger Kontaktstelle Orientierung erwähnte beispielsweise das große Interesse nichtchristlicher Pilger am ökumenischen Pilgerweg durch Mitteldeutschland. Ludger Nagel, der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung in Sachsen-Anhalt, erzählte von der gut angenommenen Fortbildungsangebot, bei dem Magdeburger Stadtführer ihre religiösen Bildungslücken schließen konnten. Über kirchliche Bildungsveranstaltungen in Kaufhäusern und anderen öffentlichen Räumen berichtete der Leiter des Katholischen Forums in Thüringen, Hubertus Staudacher.

Der emeritierte Münsteraner Pastoraltheologe, Dieter Emeis zeichnete in seinem Impulsreferat ein Bild der aktuellen kirchlichen Situation, das nicht schöngefärbt war, aber auch keinen Anlass zur Resignation bot. Lange Zeit sei katholische Diaspora in beiden Teilen Deutschlands durch intensive katholische Milieus geprägt gewesen. Ziel pastoralen Handelns sei damals gewesen, möglichst viele Katholiken in diese Milieus einzubeziehen, die heute so nicht mehr existieren. In der modernen Gesellschaft komme es verstärkt auf die Christen an, die von ihrer Taufberufung ergriffen seien und mit anderen zusammen Kirche sein wollten, sagte Emeis. Frei nach dem Motto "Weniger ist oft mehr" stellte er beispielsweise den Anspruch in Frage, Gottesdienste, kirchliche Krankenhäuser und Institutionen möglichst flächendeckend vorzuhalten. Künftig werde es verstärkt darauf ankommen, dass in dem, was die Kirche tut, für andere christlicher Glaube erfahrbar wird. Selbst Paulus habe nicht flächendeckend missionieren wollen, sondern "Lichter angezündet", gab Emeis zu bedenken.

Eine Ideenbörse, bei der Gemeinden und kirchliche Einrichtungen sich gegenseitig für ihre pastorale Arbeit inspirieren, planen die Veranstalter des Werkstatt-Tages vom 21. bis 23. Oktober 2006 im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz. In Leipzig gaben sie den Startschuss für die Vorbereitungen zu dieser Veranstaltung, die voraussichtlich den Titel "Pastorale" tragen wird.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 24 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 18.06.2005

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