Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Aus der Region

Wir sind Weltmeister!

Der Weltjugendtag und die Ökumene

Gregor Giele: Jugendpfarrer des Bistums Dresden–Meißen

Der Weltjugendtag in Deutschland – dem Mutterland der Reformation – soll ein ökumenisches Ereignis werden.

Seitdem es den Weltjugendtag gibt, haben sich alle gastgebenden Länder bemüht, dem Ereignis in ihrem Land jeweils einen ganz eigenen Akzent zu geben. Oftmals wurden diese Akzente und die damit verbundenen neuen Programmelemente dann bei den folgenden Weltjugendtagen übernommen und fortgeführt. So fanden zum Beispiel 1997 in Frankreich erstmalig die "Tage der Begegnung in den Diözesen" statt, die seitdem Tradition geworden sind. In Kanada wurde 2002 die Idee eines "Tages des sozialen Engagements" eingeführt, die Fortsetzung davon findet in diesem Jahr in Deutschland statt.

Angesichts dieser Tradition stellt sich für uns die Frage, welches Profil wir als deutsche Kirche dem XX. Weltjugendtag geben wollen. Endgültig wird sich diese Frage sicher erst im Nachhinein beantworten lassen. Dennoch zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Weltjugendtag in Deutschland der bisher ökumenischste sein wird. Und dies nicht nur aus einem guten Grund, sondern gleich aus mehreren Überlegungen heraus.

Zunächst einmal findet der Weltjugendtag in einem Land statt, in dem zwei große christliche Konfessionen – zahlenmäßig ungefähr gleich groß – sich seit vielen Jahren bemühen, Wege zu einem guten Miteinander in versöhnter Verschiedenheit zu suchen. Die Unterzeichnung des Dokumentes zur Rechtfertigungslehre 1999, der Ökumenische Kirchentag 2003 und die Umsetzung der "Charta oecumenica" sind da nur einige Beispiele. Von diesem unseren Ringen um gute Wege zu mehr Einheit in Vielfalt sollten wir den Gästen aus aller Welt unbedingt berichten – ehrlich und ohne zu beschönigen.

Außerdem ist es im 21. Jahrhundert – hoffentlich – selbstverständlich geworden, dass große kirchliche Ereignisse einer Konfession nicht mehr ohne oder gar in Abgrenzung zu Partnern anderer Kirchen geplant und durchgeführt werden. Was wäre das auch für ein Bild, wenn wir gastfreundlich zu vielen Tausend Fremden aus aller Welt wären, aber in scharfer Trennung zu unseren unmittelbaren Nachbarn im Glauben leben und handeln würden!

Schließlich wird der Weltjugendtag der bisher ökumenischste werden, weil unsere Gäste uns nach dieser Dimension unseres Glaubenslebens ausgiebig befragen werden. Die ersten Kontakte mit Gästegruppen haben gezeigt, dass sie sehr genau wissen und im Blick haben, dass sie zum Weltjugendtag in das "Mutterland der Reformation" reisen. Immer wieder taucht deshalb bei ihnen die Frage auf, wie wir miteinander als Christen umgehen. Das ist nicht nur reine Neugierde, vielmehr wird bei den Kontakten deutlich, dass unsere Gäste von uns lernen wollen. Ein französischer Gruppenverantwortlicher hat es einmal so formuliert: "Die Deutschen sind Weltmeister in der Ökumene. Das wollen wir uns zunutze machen."

So werden wir Rede und Antwort zu stehen haben und wir können Rede und Antwort stehen, denn wir haben als deutsche Christen einiges zu berichten von unserem gemeinsamen Suchen und Ringen um eine gute Gemeinschaft und Einheit. Gelegenheit dazu wird genügend sein bei diesem ökumenischsten der Weltjugendtage bisher.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.06.2005

Aktuelle Buchtipps