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Beitrag zur Identitätsfindung

Historisches Verdienst und aktuelle Bedeutung der Meißner Synode

Während der Vorstellung des Buches über die Meißner Synode in Dresden: Dr. Peter-Paul Straube, Propst Günter Hanisch, Bischof Joachim Reinelt, Dr. Siegfried Seifert und Prälat Dieter Grande (von links). Foto: Holluba

Dr. Peter-Paul Straube (Bischof- Benno-Haus Schmochtitz) ist einer der Herausgeber des Buches über die Meißner Diözesansynode. Der Tag des Herrn sprach mit ihm:

    Herr Dr. Straube, über 30 Jahre sind seit dem Ende der Meißner Diözesansynode vergangen. Was ist der Grund, die Synodentexte jetzt als Buch herauszugeben?

Ende des Jahres 2000 fand in Schmochtitz das Seminar "Zur politischen Bedeutung der Meißner Diözesansynode 1969 bis 1971" statt. Mit Ausnahme des Dekretes I, das nach der Wende in zwei Sammelbänden veröffentlicht wurde, lagen die Texte der Synode bis dahin nicht in Buchform vor. Die Teilnehmer dieses Seminars -zum Großteil Synodale -regten damals die Buchveröffentlichung an. Und Bischof Joachim Reinelt hat dem zugestimmt.

    Die Meißner Synode ist ja ein wenig in Vergessenheit geraten. Warum ist es wichtig, heute wieder an sie zu erinnern?

Der Meißner Bischof Otto Spülbeck hatte bereits Ende der 50er Jahre überlegt, eine Diözesansynode durchzuführen. Das damalige Kirchenrecht schrieb nämlich vor, dass eine solche Versammlung alle zehn Jahre durchzuführen sei. Aufgrund der Ankündigung des Zweiten Vatikanischen Konzils hat Spülbeck dann die Synode verschoben. 1966 wurden die Vorbereitungen wieder intensiviert. Und als die Synodalen 1969 zusammenkamen, war das eine der beiden ersten derartigen Versammlungen in Europa. Priester, Ordensleute und -das war etwas ganz Neues -Laien haben gemeinsam danach gefragt, wie die Beschlüsse des Konzils auf Bistumsebene unter den realsozialistischen Bedingungen der DDR umzusetzen seien.

Das Miteinander von Priestern und Laien in diesem Prozess hat zu einer Identitätsfi ndung innerhalb des Bistums geführt. Das Bistum Meißen war ja erst 1921 wiedererrichtet worden. Viele Priester waren aus anderen Bistümern nach Sachsen gekommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Katholikenzahl durch die Vertriebenen noch einmal deutlich an. Das gemeinsame Herangehen an die Umsetzung des Konzils in der Ortskirche hat die Entwicklung einer Bistumsidentität stark gefördert.

    Die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen haben sich inzwischen grundlegend geändert. Sind die Texte noch aktuell?

Das Synodaldekret I nimmt eine Standortbestimmung der Kirche in der Welt von heute vor. Eine besondere Rolle spielen dabei die Diasporasituation und ein sich weiter verstärkender Materialismus. Diese Situation hat sich ja nach der Wende nur insofern geändert, dass der Materialismus nicht mehr vom totalitären Staat ideologisch verordnet ist, sondern dass ein praktischer Materialismus die Menschen vereinnahmt hat.

Ein zweites wichtiges Dokument ist Dekret IV über die verschiedenen Dienste im Bistum. Hier wird ein geschwisterliches -damals sagte man brüderliches -Miteinander angemahnt. Betont wird außerdem beispielsweise auch die Notwendigkeit von Weiterbildungen für hauptamtliche Mitarbeiter nicht nur in theologischen Fragen, sondern in Menschenführung und Arbeitsorganisation. Das sind Fragen, die auch heute Anforderungen an unser Miteinander im Bistum stellen.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.05.2005

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