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Buchtipp: "Die Synode des Bistums Meißen 1969-1971"

Alle Texte einer zu Unrecht vergessenen Synode

Die Synode bei der Arbeit: Bischof Otto Spülbeck spricht zu den Synodalen. Foto: Archiv Von 1969 bis 1971 tagte in Dresden die Meißner Diözesansynode. In den Jahren danach geriet sie weitgehend in Vergessenheit. Jetzt gibt es zum ersten Mal ein Buch, das ausführlich über die Synode informiert.

Als sich am 13. Juni 1969 Bischof Otto Spülbeck, 78 Priester, neun Ordensfrauen und 61 Laien in der Dresdner Hofkirche versammelten, begann ein bedeutendes Ereignis in der DDR-Kirchengeschichte: Weltweit war das Bistum Meißen (heute Dresden-Meißen) eines der ersten, das mit einer Diözesansynode die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umsetzen wollte. Nach einem viel versprechenden Anfang wurde die Synode aber nach vier Sitzungsperioden 1971 beendet und in die Pastoralsynode der katholischen Kirche in der DDR (1973-1975) überführt, wie es offi ziell hieß. Hauptgrund dafür waren innerkirchliche Auseinandersetzungen: Vor allem der damalige Berliner Kardinal Alfred Bengsch sah die Synode mehr als skeptisch. Und auch Spülbecks Nachfolger Gerhard Schaffran hat den Beschlüssen der Synode keine besondere Bedeutung zugebilligt, so der Dresdner Prälat Dieter Grande, damals Sekretär der Synode.

Trotzdem war sie ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung des Konzils im Bistum. Davon ist der heutige Bischof Joachim Reinelt überzeugt. Und deshalb hat er der Veröffentlichung der Synodentexte sowie der Gutachten führender Theologen -unter ihnen der heutige Papst Benedikt XVI. -über die umstrittene Synode als Buch zugestimmt. Mit Ausnahme des Grundlagentextes, des Dekretes I, lagen alle anderen Texte bisher nur in mit DDR-Abzugstechnik hergestellten Publikationen vor.

Mit der Buchveröffentlichung will man aber nicht nur der historischen Bedeutung der Synode gerecht werden. Ihre Texte sind auch durch die veränderten politischen Verhältnisse nicht gänzlich überholt. Es gebe Parallelen, die von damals in die Gegenwart gezogen werden könnten, sagt Bischof Reinelt. So sei zwar der wissenschaftliche Materialismus als weltanschauliche Grundlage des DDR-Staates weg. "Der praktische Materialismus ist aber weiter auf dem Vormarsch."

Aktuell sind die Texte aber auch, weil sie zum Teil geltendes Diöze sanrecht sind. Genau darin besteht für Prälat Grande die Bedeutung von Diözesansynoden. Sie seien im Kirchenrecht verankert und schaffen -im Unterschied zu den heute verbreiteteren, letztlich aber unverbindlichen diözesanen Pastoralforen -Diözesanrecht, wenn ihre Beschlüsse vom Bischof in Kraft gesetzt werden. Zwar scheue mancher Bischof vor dem Arbeitsaufwand und den Kosten zurück, in größeren Zeitabständen sei eine Diözesansynode aber durchaus sinnvoll, so Grande.

Der langjährige Leipziger Propst Günter Hanisch, der die Durchführungskommission der Synode leitete, sieht in den Synodentexten bis heute "Wegweiser, an denen wir uns orientieren können". Das gelte besonders für Dekret I mit seinen Stichworten Brüderlichkeit und Mitverantwortung. Zwar habe sich manches überholt, anderes aber -etwa die Diasporasituation -habe sich verschärft.

Natürlich war die Synode nicht unumstritten. Hanisch: Wichtigster "Bedenkenträger" war der Berliner Kardinal Bengsch. Zwar nahm dieser in einem Gespräch mit Hanisch den Vorwurf, die Synode sei häretisch, zurück. Für falsch hielt er sie dennoch. Bereits auf dem Konzil hatte Bengsch die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" über die Kirche in der Welt von heute abgelehnt. Er fürchte -so legte er in einem Brief an den Papst dar -angesichts einer zu starken Öffnung der Kirche gegenüber der modernen Welt um die Autorität des kirchlichen Lehramtes. Außerdem wies er auf die Möglichkeit des Missbrauchs von "Gaudium et spes" in den sozialistischen Ländern durch die staatliche Propaganda zum Schaden der Kirche hin. Insofern es der Meißner Synode also um eine stärkere Hinwendung zur Welt ging, musste sie bei Bengsch auf Bedenken stoßen. Trotz aller Früchte, die die Arbeit der Synode für das Bistum Meißen getragen hat, letztlich wurde sie deshalb auch nur teilweise umgesetzt.



Hinweis
Dieter Grande, Peter-Paul Straube: Die Synode des Bistums Meißen 1969-1971. Die Antwort einer Ortskirche auf das Zweite Vatikanische Konzil, St. Benno-Verlag, Leipzig 2005, ISBN 3-7462-1806-3, 14,80 Euro.
Eine Buchpräsentation mit Zeitzeugenberichten findet am 31. Mai (19.30 Uhr) im Leipziger St.Benno-Verlag (Stammerstr. 40) statt.
Das Buch gibt es im Online-Shop des St. Benno-Verlags zu kaufen.
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.05.2005

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