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Priesterweihen

Drei junge Männer werden Pfingstsamstag zum Priester geweiht

Von links: Marko Dutzschke, Sebastian Gräßer und Stephan Maciej freuen sich auf ihren priesterlichen Dienst in den Gemeinden und hoffen auf eine offene Aufnahme. Foto: Pohl

Erfurt - Sechs junge Männer aus dem Pastoralseminar in Erfurt werden an diesem Pfingstsamstag, 14. Mai, von ihren Bischöfen zu Priestern geweiht. Drei von ihnen stammen aus dem Tag des Herrn -Verbreitungsgebiet. Sie werden im Folgenden kurz vorgestellt.

Sebastian Gräßer wird in Dresden, Marko Dutzschke in Görlitz, Stephan Maciej in Magdeburg das Weihesakrament empfangen. Oliver Cornelius, Thomas Pfeiffroth und Christoph Zimmermann stammen aus dem Erzbistum Berlin und werden in der Hedwigs- Kathedrale geweiht. Ein weiterer Weihekandidat, der Oratorianer Martin Weber, der sich zuletzt in Münster auf die Weihe vorbereitet hat, wird am 29. Mai in Leipzig- Lindenau vor den Altar treten.

Marko Dutzschke aus Weißwasser

"An Gott zu glauben tut uns Menschen gut", sagt Marko Dutzschke. "Das will ich anderen gern weitergeben." Der aus Weißwasser stammende Priesteramtskandidat hat diese Erfahrung selbst besonders im Umgang mit seinem alten Heimatpfarrer gemacht, "der die Kirche trotz ihrer Runzeln einfach lieb hatte." Mit 27 Jahren ist Dutzschke der jüngste von drei Brüdern und mit seinem Berufswunsch "etwas aus der Art geschlagen", wie er sagt. "Die anderen haben ursprünglich einmal Elektriker gelernt. So bringt halt jeder auf seine Art Licht in die Welt", erklärt der Diakon mit einem Schmunzeln.

Nach dem Abitur und dem Erlernen der Altsprachen Griechisch und Latein im Magdeburger Kolleg Norbertinum begann er in Erfurt mit dem Theologiestudium. Im fünften und sechsten Semester, den Freisemestern, studierte er in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Zurück in Erfurt, ließ sich Dutzschke gegen Ende der Hochschulzeit beurlauben und arbeitete nach seinem Diplom einige Monate in einer Pizzafabrik am Fließband. "Je länger ich auf dem Weg war, umso deutlicher wurde mir: Man kann es nicht erzwingen, Priester zu werden. Gott entscheidet, wenn es soweit ist."

Dankbar ist er für die guten Erfahrungen im katechetischen Praktikum und als Diakon. "Ich habe mich im volkskirchlichen Milieu von Wittichenau geborgen gefühlt", sagt er. Genauso sei er gern als Diakon nach Spremberg gegangen: "Das ist eine Diaspora- Pfarrei mit allen Gruppen und Kreisen, die unsere Gemeinden zu bieten haben." Im Blick auf die Zukunft ist der junge Mann sicher: "Ich gehe jetzt als Priester in eine Kirche hinein, die in zehn Jahren ein anderes Gesicht haben wird. Wir müssen fragen, was Gott mit der Kirche vorhat und was er von uns dabei erwartet."

Sebastian Gräßer aus Greiz

"Eigentlich war für mich schon immer klar, dass ich Priester werden wollte", sagt Diakon Sebastian Gräßer. Zunächst studierte der junge Mann nach dem Abitur aber Jura. "Ich hatte damals eine Freundin, und es war für mich zu der Zeit unvorstellbar, Priester zu werden", sagt Gräßer. Auch wenn ihn manches an der Rechtswissenschaft durchaus interessierte, richtig zufrieden sei er nicht gewesen, erinnert sich Gräßer. "In mir war eine Unruhe da im Sinne von: Ist das alles, was du mit deinem Leben machen willst?"

Ohne das damals anstehende erste Staatsexamen abzulegen, wechselte Gräßer vom Fach Jura zunächst nach Magdeburg, um die Altsprachen zu lernen, und ging danach an die Theologische Fakultät Erfurt.

"Meine Eltern und Geschwister standen hinter mir", sagt Gräßer. Vor allem in der Familie seiner Schwester hat er seitdem stets Heimat gefunden. "Dieser Rückhalt ist mir wichtig", betont der 31-Jährige, der nach dem Studium sein Gemeindepraktikum in Chemnitz, St. Joseph, absolvierte und als Diakon in der Pfarrei St. Benno in Meißen war. Als vor kurzem Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, war Gräßer, der gern Auto fährt, nicht mehr im Pastoralseminar in Erfurt zu halten. Mit seinem Skoda fuhr er nach Rom, um direkter an den Ereignissen teilhaben zu können.

"Ich freue mich jetzt auf die Arbeit mit den unterschiedlichsten Gruppen in der Gemeinde", sagt Gräßer. "Das unter anderem fasziniert mich an der Seelsorge."

Stephan Maciej aus Helbra

"Ich möchte mit den Menschen den Weg des Glaubens teilen. Und dies auch in Zeiten, in denen die Kirche kleiner wird und zum Beispiel darum gerungen wird, wie die Gemeinden am besten zusammenzulegen sind", sagt der 32-jährige Stephan Maciej. "Unter marktwirtschaftlichen Aspekten dürfte man in die Gemeinden nicht mehr investieren", so der gebürtige Helbraer, der noch zwei Brüder hat. "Kirche ist aber Gott sei Dank nicht auf Marktwirtschaft zu reduzieren. Und deshalb gehe ich durchaus zuversichtlich in den priesterlichen Dienst." "Dass die Kirche Umbruchszeiten durchlebt, ist durchaus Thema in der Ausbildung gewesen", erzählt Maciej. "Ein Rezept wurde aber nicht vermittelt."

"Ich habe mich nicht zuletzt aufgrund guter Erfahrungen mit Vikaren und in der Jugendgruppe meiner Heimatgemeinde auf den Weg zum Priester gemacht", so Maciej. "Nach meiner Lehre zum Maurer habe ich Zivildienst in der Caritas-Sozialstation Eisleben geleistet und mich gefragt, ob ich einen sozialen Beruf einschlagen sollte." Doch auch er legte in Magdeburg die Abitur- und Altsprachenprüfung ab. "Danach begann ich mit dem Studium, wusste aber noch nicht, ob ich Priester werden wollte", sagt der 32-Jährige. In Erfurt wurden ihm Neutestamentliche Exegese als einer "Grundlage des Glaubens" und Pastoraltheologie "als dem Handwerkszeug" für den Seelsorgedienst zu Lieblingsfächern.

"Im Praktikum in Halle, Dreieinigkeit, und Wittenberg habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Gemeindemitglieder freuen, dass sich jemand auf den Weg macht, für sie als Seelsorger dazusein", sagt Maciej. "Das macht Mut."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 19 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 15.05.2005

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