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Bistum Magdeburg

Angebot, Erziehung zu lernen

Die Diözesen Magdeburg und Hildesheim haben gemeinsam Kess-Kursleiterinnen ausgebildet

Magdeburg - Mit "Kess erziehen" bietet das Bistum in Kürze verschiedenenorts einen Kurs für Mütter und Väter an. Am 20. April ging in Magdeburg die erste Kursleiter-Ausbildung für dieses Elternbildungs-Angebot zu Ende.

"Geht das: Kinder erziehen ohne Schimpfen, Schreien und Ausrasten? Ohne sich in eine endlose Kette von Konflikten zu verhaken? Das Elternkurskonzept ,Kess erziehen' will dazu verhelfen", sagt die Sozialpädagogin und Mutter von zwei Kindern, Beate Schramm-Paul (34) aus Magdeburg. Gemeinsam mit Erzieherin Britta Niessalla (27) aus Verden bei Bremen und weiteren 16 Frauen und zwei Männern hat sie in der vergangenen Woche ihre Ausbildung zur Leiterin für den Elternkurs "Kess erziehen" abgeschlossen "Die Ausbildung zur Elterntrainerin hat sich auch für mich persönlich sehr gelohnt. Ich kann alle Eltern nur ermutigen, sich darauf einzulassen", sagt Frau Schramm-Paul.

Der Kurs soll eine Erziehungshaltung vermitteln

"Kess" -dahinter verbergen sich die Begriffe kooperativ, ermutigend, sozial, situationsorientiert. "Der Kurs will allen Eltern Hilfe anbieten, die sich angesichts des veränderten Rollenverständnisses von Mann und Frau und einer immer komplexer werdenden Welt fragen, wie sie ihre Kinder am besten auf das Leben vorbereiten können", sagt Kess-Projektleiter Christof Horst von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung (AKF) in Bonn, in deren Auftrag das Konzept dafür entwickelt wurde. "Geheimnis einer guten Erziehung ist der achtsame Umgang miteinander. So will unser Elterntraining im Gegensatz zu anderen Angeboten nicht eine Methode vermitteln, sondern zu einer Erziehungshaltung führen", erläutert Horst. "Der Kurs macht Müttern und Vätern Mut und bringt Erfolg, etwa, wenn sich die Eltern im Umgang mit ihren Kindern nicht mehr so gestresst fühlen und die Kinder ausgeglichener sind." Dies jedenfalls habe sich bei den deutschlandweit inzwischen 3000 Müttern und Vätern, die den Kurs absolviert haben, bestätigt.

Bei der ersten der fünf Kurs- Einheiten à zwei Stunden wird der Blick der Eltern für die Grundbedürfnisse des Kindes geschärft. In einem zweiten Schritt lernen die Mütter und Väter, die Verhaltensweisen ihrer Kinder besser zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Frau Niessalla: "Was will mein Kind mir zum Beispiel sagen, wenn es mir mit Absicht in Wut etwas zerstört? Solche Signale gilt es zu kennen und entsprechend darauf zu reagieren."

Vor allem und zu allererst das Kind ermutigen

Am dritten Abend steht das Thema "Kinder ermutigen und ihnen die Folgen des eigenen Handelns zumuten" im Mittelpunkt, "Familiäre Konflikte entschärfen und Probleme lösen" heißt es beim vierten Treffen. "Wie geht es dem Kind und wie geht es mir als Mutter oder Vater, wenn mein Kind trotz mehrmaliger Bitte nicht aufräumen will", sei zum Beispiel eine Konfliktsituation, die beim Elternkurs im Rollenspiel nachgestellt und reflektiert wird, erläutert Frau Niessalla. In der letzten Runde des Elternkurses geht es darum, die Selbstständigkeit und die Kooperationsbereitschaft des Kindes zu fördern.

"Kess erziehen ermutigt vor allem und zuerst das Kind mit seinen Fähigkeiten positiv in den Blick zu nehmen", sagt Frau Schramm- Paul. "Das Konzept will aber auch dazu befähigen, die Konflikte mit dem Kind zu betrachten und zu fragen, wie damit zum Wohl aller Beteiligten umzugehen ist", so die Sozialpädagogin in der Erziehungszeit. Ganz wichtig ist, das Kind zu ermutigen, ihm Freiheit zu seiner Entfaltung zu geben, aber auch Grenzen zu setzen", ergänzt Erzieherin Niessalla. "Im Kurs wird aber auch geschaut, wie es einem als Mutter und Vater dabei geht. Denn auch die Eltern müssen die Möglichkeit haben, mit ihren Gefühlen umzugehen."

Die jetzt in Magdeburg abgeschlossene Elterntrainer-Ausbildung wurde von den Bistümern Hildesheim und Magdeburg gemeinsam angeboten und zu 50 Prozent vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ab sofort stehen dadurch in beiden Diözesen eine Reihe von Kess-Multiplikatoren zur Verfügung. "Eltern, die an ,Kess erziehen' teilnehmen wollen, sollten bereit sein, sich ganz einzubringen", sagt Frau Schramm-Paul. "Denn der Kurs möchte den Eltern mit vielfältigen Methoden ermöglichen, selbst zu erleben, wie es ihren Kindern und ihnen selbst in unterschiedlichen familiären Situationen ergeht."

Kurse in Magdeburg, Halle und Naumburg

Erste Kurse wird es in Kürze geben, sagt Ludger Nagel von der Katholischen Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt (KEB). Vom 6. Juni bis 4. Juli bietet die KEB einen Kurs in ihren Räumen, Breiter Weg 213, in Magdeburg an. Kosten pro Person und Kurs 20 Euro, pro Elternpaar 30 Euro. Leitung: Beate Schramm-Paul und Ludger Nagel. Aber auch bei der Caritas in Halle und in der Familienbildungsstätte Naumburg wird eine Teilnahme möglich sein. Zudem soll der Kurs im Rahmen der Initiative Familie lokal über Kindertagesstätten, kirchliche Grundschulen und Gemeinden angeboten werden.


Informationen
Anmeldung: KEB, Tel. (0391) / 62 08 641
Infos: www.elternkurs.info
Buchtipp: Kess erziehen. Der Elternkurs; ISBN 3-426-66768-1: 12,90 Euro
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.04.2005

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