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Aus der Region

Last oder Chance?

Der Weltjugendtag und die Ost-Bistümer

Niemand wollte es ausschließen und doch kam es überraschend: Der Initiator und prominenteste Befürworter des Weltjugendtags, Papst Johannes Paul II., ist tot. In vielen Nachrufen wurde sein Charisma gelobt, mit dem er die Jugend anzusprechen wusste -sie begeisterte. Und nun? Der Weltjugendtag wird natürlich stattfinden. Vielleicht mit anderen Akzenten, vielleicht aber auch mit noch mehr neugierigen jungen Menschen aus aller Welt. Birgt diese ungeplante Veränderung nicht auch Chancen für den Weltjugendtag, so wie er schon jetzt die gastgebende Kirche in Deutschland verändert hat?

Die offensichtlichste Veränderung ist die finanzielle: Manche sehen zuallererst die erheblichen Gelder, die in Zeiten knapper Kassen für dieses Ereignis aufgewendet werden. Dabei wissen wir auch, dass es ein derartiges Weltereignis nicht zum Nulltarif geben kann. Aber die Frage nach dem Wert des Weltjugendtags muss gestellt werden dürfen. Weiterhin hat sich in vielen Gemeinden unserer Bistümer auch der Blickwinkel auf die weniger gewordenen jungen Menschen verändert: Die Jugend der Welt kommt zu uns. Viele freuen sich auf diese besondere Form der Gastgeberschaft und bereiten die Tage entsprechend vor.

Ist das allein schon der Wert des Weltjugendtags? Die kleinen Veränderungen in uns selbst und in unseren Gemeinden sind sicherlich die wirklichen Chancen, die dieses Glaubensfest mit sich bringt. Wir erwarten junge Menschen in unseren Kirchen, die ihre Glaubenserfahrungen und ihre jeweilige Glaubenssprache mitbringen, junge Menschen, die ihre Kirche einfach Klasse finden, weil sie ihnen Geborgenheit und Orientierung anbietet. Als Glaubenszeugen kommen sie zu uns, die mit ihren Ausdrucksformen zeigen werden, wie wertvoll unser gemeinsamer Glaube ist und dass unsere alte Kirche eine (jugendliche) Zukunft hat. Davon darf sich jeder deutsche Christ ermutigen und stärken lassen! Über diese persönliche Dimension hinaus kann dies in jeder Familie, jeder Gruppe und Gemeinde zum Anlass genommen werden, über die eigenen Erfahrungen und Sehnsüchte des Glaubens zu sprechen -oder wieder sprechen zu lernen.

Der Weltjugendtag wird sicherlich keine Wunder vollbringen, aber mit Sicherheit wird er wirken. Schon jetzt bekunden viele Nichtchristen Interesse an diesem Ereignis. Greifen wir dieses Interesse auf und zeigen uns als eine Kirche für die Menschen in unseren Dörfern und Städten, denn wir haben viel mehr zu bieten als den Weltjugendtag! Dessen Schwung aufzugreifen und daran im Alltag anzuknüpfen, ist eine Chance. Gestalten Sie mit?

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 17 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 28.04.2005

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