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Auf zwei Minuten

Der Sabbat - Ein Fest der ganzen Schöpfung

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Im Frühling schmückt sich die Natur mit frischem Grün und mit Blumen in allen Farben. Die Singvögel liefern dazu ein vielstimmiges Konzert. Die Dichter haben dieses Fest der Natur immer wieder besungen. Wie können wir Menschen einstimmen in dieses Fest? Feste und Feiern sind Unterbrechungen des Alltags mit seinen Lasten und Sorgen. Sie lassen uns Abstand gewinnen von unserer Geschäftigkeit, geben uns Lebensfreude und erfüllen uns vielleicht auch mit Dankbarkeit.

Der Sabbat war bei den Israeliten eine solche Unterbrechung der Arbeitswoche. Sie war ein Zeichen der Freiheit, ein Zeichen, dass der Mensch nicht Sklave seiner Arbeit ist. Das kommt schon in der ersten Schöpfungsgeschichte der Bibel zum Ausdruck. Der Sabbat -für uns Christen der Sonntag -als Ruhetag wird damit begründet, dass auch Gott selbst nach dem Sechstagewerk der Schöpfung am siebten Tag ruhte: "Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte" (Gen 2,2). Die Gottesruhe ist Ausdruck seiner Macht. Gott ist der Welt ohne Mühe überlegen, deshalb ist er fertig mit seiner Arbeit. Und der Mensch als Abbild Gottes soll wie Gott den Sabbat halten. Wie der Mensch durch seine Arbeit ("Herrschaft") in der Welt Gott ähnlich ist, so auch durch die Einhaltung des Sabbats. Der Mensch wird zwar nie fertig mit seiner Arbeit in der Woche, dennoch soll er zeigen: Er ist nicht Sklave, sondern er wird -wenn auch nicht mühelos und nicht auf einmal -fertig mit der Welt. "Sabbat ist zugleich Zeichen der vergangenen Woche und Verheißung für die Zukunft. Der Mensch hat nicht nur geschuftet; er ist nicht nur am Leben geblieben: Er hat geherrscht und sein Gesetz durchgesetzt; und er wird, wie sein Vorbild, mit der Welt fertig werden, in jener Zukunft, die man nicht datieren kann, weil sie immer noch aussteht und doch Stunde für Stunde eintrifft" (Diego Arenhoevel).

Der Ruhetag ist eine zukunftsträchtige Vision, eine Zeit, Perspektiven zu gewinnen davon, wie es sein könnte, sein sollte. Diese Vision ist umso dringender und wichtiger, wenn wir an unsere ökologischen Probleme denken. Der Ruhetag gibt uns Zeit, aufzuhorchen, aufzuhören mit dem Eingreifen. Wir sollen innehalten, die Umwelt sehen und genießen in ihrer unerschöpflichen Fülle. Am Sabbat wird uns die Natur als Schöpfung Gottes offenbar, mit der wir verantwortlich umgehen sollen, um uns und allen Lebewesen die Zukunft zu erhalten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 21.04.2005

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