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Auf zwei Minuten

Christus sagt: "Kommt alle zu mir"

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Eine große Menge von Menschen hatte sich versammelt. Sie waren aus den Dörfern und Städten gekommen, um dem Mann zu begegnen, der ihnen helfen konnte. Sie hatten von Jesus gehört, wie er Kranke heilte und Menschen durch sein Wort aufrichtete und ihnen Hoffnung gab. Jetzt standen sie in einer langen Warteschlange vor ihm, um von ihm berührt zu werden und ein gutes Wort von ihm zu erhalten. So ähnlich muss es damals gewesen sein.

Heute, nach zweitausend Jahren, sehe ich im Geiste eine nach Milliarden zählende Menschenmenge vor mir, die diesem Jesus begegnen möchte. Es sind Menschen aller Rassen und Sprachen, Angehörige der verschiedenen Religionsgemeinschaften: Christen, Moslems, Buddhisten, Hindus, Taoisten, Konfuzianer und andere. Vielen von diesen Menschen sieht man es an, dass sie krank sind und leiden, andere sehen gestresst und erschöpft aus. Sie versuchen auf verschiedene Weise, mit Jesus in Verbindung zu treten. Die Christen suchen ihn vor allem, wenn sie sich im Namen Jesu in den einzelnen Gemeinden versammeln. Andere surfen im Internet und stoßen an vielen Stellen auf die Worte Jesu und auf das Zeugnis von Christen. Viele -auch wenn sie nicht einer christlichen Gruppe angehören -lesen in der Bibel und entdecken das ermutigende Wort Jesu: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen" (Mt 11,28). Oder nach anderen Übersetzungen: "Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." - "Kommt her zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen."

Wir haben uns vielleicht zu sehr schon an diesen Ausspruch Jesu gewöhnt und finden ihn erbaulich, ohne die große Herausforderung darin zu spüren: Dieses Wort Jesu gilt nicht nur für dich und mich, sondern ist an alle gerichtet. Alle Mühseligen und Beladenen dieser Welt sind eingeladen. Was wäre das für ein langer Menschenzug! Vielleicht hört man erregte Zwischenrufe von verärgerten Christen: "Da könnte ja jeder kommen! Sollen sie doch erst mal der christlichen Kirche beitreten!" Die Kirche aber hat Jesus Christus nicht "gepachtet", und sein gnadenhaftes Wirken im Heiligen Geist geht über die Grenzen der Christenheit hinaus.

Gott "will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen"(l Tim 2,4), So heißt es in der Pastoralkonstitution "Die Kirche in der Welt von heute" des Zweiten Vatikanischen Konzils: "Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung gibt, nämlich die göttliche, müssen wir festhalten, dass der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein"

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 17.04.2005

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