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Bistum Magdeburg

Woher kommen die Kommunionskerzen?

Delitzscher Erstkommunionkinder besuchten Kerzenfabrik

Alt, aber anschaulich: Klaus-Peter Klenke (rechts im Bild) erklärt den Delitzscher Erstkommunionkindern die Kerzenzugmaschine. Foto: Wanzek

Wiesenburg - Ein Ausflugstipp für Erstkommunion-Vorbereitungsgruppen, aber auch für ganze Gemeinden: Die Mitarbeiter der mitten in den Wäldern des Fläming gelegene Kerzenfabrik Buchal lassen sich gerne bei der Arbeit über die Schultern schauen.

Wohliger Wachsgeruch liegt in der Luft, als die Erstkommuniongruppe aus Delitzsch vor der alten, mit einer Handkurbel betriebenen Kerzenzugmaschine steht. Auch wenn diese Maschine mittlerweile durch ein vollautomatisches Exemplar ersetzt wurde, hin und wieder wird sie doch noch benutzt, erklärt Geschäftsführer Klaus-Peter Klenke den Kindern. Mit der Handkurbel hält er einen langen Docht so in Bewegung, dass er immer wieder durch ein heißes Wachsbad -genauer gesagt: Paraffinbad -läuft. Die einzelnen Wachsschichten trocknen zwischendurch an der Luft. Vier Stunden gleichmäßigen Kurbelns ohne Pause braucht es, bis Haushaltskerzendicke erreicht ist.

Ziehen, Gießen, Pressen oder Übertunken

Doch so lange müssen Sophie, Tobias und die anderen Kinder nicht warten. Der Chef des Familienunternehmens im Wiesenburger Ortsteil Reetzerhütten schenkt ihnen eine fertige Kerze. Unter seiner Anleitung verwandeln sich die kleinen Kerzen in den Händen der Kinder in Osterkerzen. Sophie tunkt zunächst ihren Finger in das 80 Grad heiße Wachs, danach ist die Kerze dran. Jetzt hat sie einen hellbraunen Überzug. Beim Verzieren dürfen sich die kleinen Besucher in einer Kiste mit vorgefertigten roten und goldenen Wachsbuchstaben und -symbolen bedienen. Selbst hergestellt aus reinem Bienenwachs, berichtet Klaus-Peter Klenke. Nach dem Verzieren folgt ein weiterer kurzer Tauchgang, diesmal im weißen Wachsbad. Nebenbei lernen die Kinder auch die anderen Kerzen- Herstellverfahren kennen. Sie erfahren, dass man Kerzen nicht nur ziehen, sondern auch gießen, pressen und übertunken kann und dürfen ausprobieren, wie man eine Kerze anspitzt. Nach einer Stippvisite im kleinen Kerzen- Shop zieht es die Kinder wieder ins Freie.

Den erwachsenen Begleitern erzählt der Geschäftsführer unterdessen noch einiges über die Geschichte seines Unternehmens, das seine Kundschaft in ganz Ostdeutschland, vorwiegend aber in den Bistümern Magdeburg und Berlin hat: Klenkes Großonkel, der oberschlesische Wachsziehermeister Heribert Buchal, hatte den Betrieb 1924 in Berlin gegründet.

Während des Zweiten Weltkrieges lagerte er zunächst einige Maschinen nach Reetzerhütten aus. Die guten Beziehungen in diesen Ort rührten daher, dass es hier mehrere Bienenwachshersteller gab. 1946 entstand dann ein Zweigbetrieb des Berliner Unternehmens, geleitet von Klenkes Großvater. 1993 übernahm der jetzige Inhaber die Firma von seiner Mutter, mittlerweile bewegt sich auch sein Sohn in den Fußstapfen der Vorfahren.

Nach wie vor sind rund 60 Prozent der Produktion Kirchenkerzen: Altar-, Oster-, Osternachts-, Tauf- und Kommunionkerzen. Wenn das Osterfest vorbei ist, gibt es bei Kerzen-Buchal in der Regel erst einmal eine Flaute-Zeit.

Fester Termin bei der Erstkommunionvorbereitun

Für den Delitzscher Pfarrer Armin Kensbock gehört der jährliche Besuch in Reetzerhütten in der Woche vor der Erstkommunion schon zum festen Jahresprogramm. Auch wenn die Kerzen sicherlich nicht das Wichtigste am Erstkommuniontag sind, gefällt es ihm doch, dass die Kinder hier auf handgreifliche und anschauliche Weise einen Bezug zu diesem Bestandteil des Festes bekommen. Dazu beitragen soll auch, dass die Kinder in der Vorbereitungswoche beim Gestalten ihrer eigenen Kommunionkerze kreativ werden können.

Kontakt: Tel. (033849) 50 366; Internet: www.buchal-kerzen.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 17.04.2005

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