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Bistum Erfurt

Geborgenheit geben

Ein Portrait der Erfurter Ordensfrau Schwester Benedicta

Schwester Benedikta lebt und arbeitet im Orden der 'Schwestern vom Guten Hirten'. Foto: Jakobi.

Erfurt - Am Weltgebetstag für die geistlichen Berufe an diesem Sonntag sind die Christen eingeladen, Gott um Berufungen von Frauen und Männern zu bitten. Ein Beispiel für gelingendes Ordensleben ist Schwester Benedikta aus Erfurt. Sie ist eine Frau, die ihren Weg in ihrer Gemeinschaft bis heute konsequent geht.

"Der Zusammenklang von Berufstätigkeit und geistlichem Leben hat mich von Anfang an sehr angesprochen", berichtet Schwester Benedikta, die einst als Sozialarbeiterin die Schwestern vom Guten Hirten kennen lernte und in ihr die Gemeinschaft fand, in der sie leben wollte. Die Schwestern vom guten Hirten sorgen sich seit ihrer Gründung durch den heiligen Johannes Eudes besonders um sozial benachteiligte Mädchen und Frauen.

Seit ihrem Eintritt mit 37 Jahren sind 44 Jahre vergangen. Dabei möchte Schwester Benedikta keinen Tag missen. Und in einem Alter, in dem andere ihren wohlverdiensten Ruhestand genießen, entschloss sich Schwester Benedikta zu einem Neuanfang. Nach der Wiedervereinigung hatten sich die Schwestern vom guten Hirten im November 1990 entschlossen, in die neuen Bundesländer zu gehen. Ihre Wahl fiel auf Erfurt, wo sie im Bischöflichen Ordinariat mit der Bitte vorsprachen, die Gemeinschaft bei der Errichtung eines Frauenhauses zu unterstützen. "Anfangs waren die Erfurter ein wenig unsicher. Brauchen wir denn so etwas wie ein Frauenhaus, fragten sie sich. Aber dann bekamen wir doch die gewünschte Unterstützung", erinnert sich Schwester Benedikta. Das damalige Zögern ist ihr verständlich: "Wer konnte denn ahnen, was auf die Frauen zukommen würde? Alkoholismus und Gewalt in der Familie gab es natürlich schon in der DDR. Aber die Nöte vieler Frauen und ihrer Familien wurden durch die Arbeitslosigkeit noch verstärkt."

Heute ist das Frauenhaus eine Einrichtung, die aus der sozialen Landschaft der Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Und dass es mehr als nötig ist, zeigt die Tatsache, dass beide Frauenhäuser der Stadt immer belegt sind. 1993 konnten die Schwestern ein Haus, welches das Bistum gekauft und saniert hatte, beziehen. Hier finden Schwestern und Frauen bis heute ein Zuhause. Dabei wird allerdings aus Sicherheitsgründen Wert auf Anonymität gelegt. Grundlegend für die spätere Arbeit war zudem der Aufbau guter Kontakte zum Rathaus, zum Jugendamt, der Polizei und den Sozialbehörden ..."Überall wurden wir freundlich aufgenommen", erinnert sich Schwester Benedikta.

Ihr und ihren Mitschwestern ist es wichtig, den Schutz suchenden Frauen Sicherheit zu geben. Sie können Ruhe finden und erfahren Rat und Tat bei der Bewältigung ihrer Probleme. Vorgeschrieben wird ihnen dabei nichts, sie bleiben selbst für ihr Leben verantwortlich. Und auch nach der Zeit im Haus bleiben viele Kontakte bestehen, was Schwester Benedikta freut. Ein besonderes Verhältnis haben die Ordensfrauen zu den Kindern.

Schwester Benedikta betont: "Für die Kinder ist es ganz besonders wichtig, dass wir ihnen Geborgenheit vermitteln, sonst kommen sie noch mehr aus dem Gleis." Verschlossene Türen gibt es daher innerhalb des Hauses nicht. "Die Kinder flitzen zwischen den Räumen der Schwestern und denen ihrer Mütter hin und her, das ist oft ein Spektakel", lacht Schwester Benedikta.

Vor zwei Jahren hat Schwester Benedikta die Leitung des Frauenhauses abgegeben. Seither sorgt sie sich um die Verwaltung und trägt die kleine Schwesternschar mit ihrem Gebet. Für ihre Aufbauarbeit in Erfurt wurde sie im Oktober 2004 durch Bundespräsident Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Eine Auszeichnung, die Schwester Benedikta jedoch nicht allein für sich in Anspruch nimmt, sie gelte vielmehr ihrer Gemeinschaft.

Aus den Erfahrungen ihres Lebens heraus ist es Schwester Benedikta ein Anliegen, anderen Frauen Mut zu machen, sich für einen geistlichen Beruf zu interessieren. Ein Weg dazu ist das Kennenlernen auf Zeit. "Die jungen Leute sollen sich informieren, ohne ihr Lebensumfeld aufzugeben. Im Mitbeten und Mitleben können sie am besten ihre Berufung erkennen", rät Schwester Benedikta.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 15 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 17.04.2005

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