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Bistum Görlitz

Getauft

In Reichenbach gab es in der Osternacht 15 Taufen

Taufe in St. Anna

Das hat selbst Altbischof Bernhard Huhn in seiner über 20-jährigen Amtszeit nicht erlebt. 15 Taufen in einer kleinen Diaspora-Gemeinde. So geschehen in der Gemeinde Reichenbach/Mengelsdorf in der Osternacht.

Langsam erhellt sich die kleine Kirche St. Anna vom Schein der Osterkerzen. Manch einer von den Taufbewerbern schaut noch etwas unsicher - und die jüngsten von ihnen versuchen dem Geschehen aufmerksam zu folgen. Als einen "großen Tag der Freude" bezeichnete Altbischof Huhn die Taufe von zwölf Katechumenen, dazu drei Kinder. Elf erwachsene Taufbewerber sind Spätaussiedler aus Kasachstan.

Ivan Schulz lebt mit seiner Frau Tatjana und seinen beiden erwachsenen Kindern Ella und Igor seit knapp zwei Jahren in Deutschland. "Bei uns gab es weit und breit keinen katholischen Geistlichen", beschreibt er die Situation in der ehemaligen Sowjetunion. In Deutschland habe die Familie das Angebot des Ortspfarrers, Dekan Krystian Burczek, sofort angenommen, die Gemeinde St. Anna kennen zu lernen. Besonders stolz ist Igor Schulz darauf, dass auch sein Enkeltöchterchen Christine mit ihm getauft wurde.

Angefangen hat alles mit einer Bürgerversammlung in Reichenbach im südlichsten Zipfel des Bistums Görlitz. Die Stadt habe das Treffen einberufen, um die Einwohner mit der Situation von Spätaussiedlern vertraut zu machen, berichtet Dekan Burczek. Und um den Landsleuten, die sich hier zurecht finden mussten, zu helfen. "Die Katholiken haben sich bei der Betreuung und der Eingliederung der Spätaussiedler besonders engagiert", freut sich der Pfarrer. Mehr und mehr waren sie zu Gast in der St.-Anna-Gemeinde, besuchten regelmäßig den Gottesdienst. Als es um die Vorbereitung auf die Taufe ging, waren Gemeindemitglieder bereit, Patenschaften zu übernehmen.

Muttersprache fast verloren

"Das Problem für uns ist, dass uns unsere Muttersprache fast verloren gegangen ist", sagt Ivan Schulz. Das müsse man jetzt mühsam nachholen, bei den Jüngeren funktioniere das besser als bei den Älteren. Aber auch hier hilft die Pfarrgemeinde weiter: Einmal in der Woche findet in den Gemeinderäumen ein Sprachkurs statt, der " gut besucht" wird, wie Dekan Burczek versichert. Die Ausbildung werde von der Gemeinde fast selbst getragen, einen kleinen Zuschuss gebe es vom Niederschlesischen Oberlausitzkreis.

Auch wenn für die Deutschen aus Kasachstan vieles neu in ihrer Heimat ist, blicken sie einigermaßen optimistisch in die Zukunft. Ivans Tochter Ella zum Beispiel will eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen, wenn sie sprachlich fit ist. Ein Beruf, der in Deutschland "Zukunft hat". Auch würde sie am liebsten in Reichenbach bleiben, denn "die Menschen sind sehr nett hier".

Altbischof Huhn war sichtlich gerührt von der Atmosphäre in St. Anna. "Eigentlich brauche ich nicht viel zu predigen, denn das, was hier heute geschieht, sagt mehr, als ich mit meinen bescheidenen Worten ausdrücken kann", sagte er. Dennoch machte er den Neugetaufen und der Gemeinde Mut. Dieser Tag sei ein Hoffnungszeichen für die Diaspora. "Fürchtet euch nicht, sondern ,Freut Euch im Herrn'", erinnerte der Bischof an seinen Wahlspruch.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 31.03.2005

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