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Bistum Dresden-Meißen

Kein Auslaufmodell

Heimisch werden in der Kirche mit der "Frohen Herrgottstunde"

Die letzte Freitaler Gruppe im Jahr im Sommer 2003: Mit dem Weggang von Carola Kube nach Dresden wurde die Frohe Herrgottstunde in Freital geschlossen. Es gibt dort einen neuen christlichen Kindergarten. Foto: Kube

Dresden - In den 50er Jahren wurde sie erfunden, um ein Gegengewicht zur atheistischen Erziehung der DDR-Kindergärten zu setzen, und noch heute ist sie aus dem Leben vieler Gemeinden kaum weg zu denken: Die "Frohe Herrgottstunde".

Mancherorts hat man sich von dem antiquiert klingenden Namen verabschiedet und sagt stattdessen religiöse Kleinkindstunde oder Vorschulkreis, gemeint ist jedoch immer die gleiche Sache: Kinder zwischen zwei und sechs Jahren kommen einige Stunden oder einen ganzen Tag in der Woche zu Spiel und Katechese in den Räumen der katholischen Gemeinde zusammen.

Carola Kube, die zurzeit als Gemeindereferentin in Dresden-Weißer Hirsch und Pillnitz arbeitet, hat in verschiedenen Gemeinden Erfahrung mit der Frohen Herrgottstunde gesammelt. "Kinder, die dieses Angebot wahrgenommen haben, zählen in der Regel zu denen, die später auch als Jugendliche in den Gemeinden aktiv bleiben", hat sie festgestellt. Nicht nur die Kinder selbst, auch ihre Eltern profitieren ihrer Erfahrung nach von diesen Tagen. Gerade in der religiösen Erziehung fehle jungen Familien heute oftmals ein Ansprechpartner, angefangen bei Frage "Wie bete ich mit meinen Kindern?" Das große Vertrauen, mit denen sich Eltern in vielerlei Sorgen und Nöten an sie selbst und an andere Kinderstunden- Leiterinnen gewandt hätten, habe sie manchmal sehr bewegt, erinnert sich Carola Kube. Ein Stück weit verbindet sich für sie mit dem Angebot auch ein missionarischer Auftrag, da es oft auch von Familien genutzt werde, die ihre Kinder mit Religion vertraut machen wollen, ohne selbst einer Kirche anzugehören.

Die Frohe Herrgottstunde fördere in unvergleichlicher Weise die Bindung junger Menschen an die Gemeinde, sagt Regina Schulze, die Beauftragte für Kinderseelsorge im Bistum Dresden-Meißen. Allein schon die Tatsache, dass die Tage in Gemeinderäumen stattfinden, schaffe Vertrautheit. Zwar übernähmen auch die christlichen Kindergärten eine wichtige Funktion bei der religiösen Erziehung. Ob dort auch die Beziehung zu den Gemeinden gefördert werde, hänge jedoch stark von den dort tätigen Erzieherinnen, von Eltern und Gemeinden ab. Regina Schulze bedauert daher, dass die enge Haushaltslage des Bistums auch diesen Bereich nicht unberührt lässt.

Bei einer Erhebung, die Regina Schulze vergangenes Jahr veranlasste, war sie selbst überrascht, wie hoch bereits der Anteil der Frauen ist, die Frohe Herrgottstunden ehrenamtlich leiten. Sie findet es sehr wichtig, dass diese Ehrenamtlichen in den Gemeinden nicht allein gelassen werden. Sie selbst plant, demnächst alle "Frohe-Herrgottstunden-Frauen" zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen. Zu DDR-Zeiten habe es derartige Treffen, bei denen auch Arbeitsmaterial ausgetauscht wurde, regelmäßig gegeben, erinnert sich Carola Kube.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.03.2005

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