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Bistum Dresden-Meißen

Familie ist ihr Lebenstraum

Im Leipziger Land kümmert sich der Caritasverband um straffällige Jugendliche

Seit zehn Jahren besteht das Caritas-Projekt Kompass in Borna. Andreas Surek und Kathrin Posern bereiten aus diesem Anlass eine Feier mit Fachdiskussion über Jugendstraffälligkeit vor.

Borna - "Ich bin ein Nichts." -Mit diesem Gefühl leben sehr viele der Jugendlichen, mit denen Andreas Surek und Katrin Posern im Bornaer Caritas- Jugendprojekt Kompass arbeiten, bereits von klein auf. Seit zehn Jahren bietet Kompass alternative Angebote für straffällig gewordene Jungen und Mädchen an.

In sozialen Trainingskursen beispielsweise bekommen die Jugendlichen unterschiedlichste Hilfen, um ihr Leben zu ordnen. Das fängt bei ganz praktischen Fragen wie der Planung der Finanzen an, führt aber auch bis zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte.

Die Kursleiter stoßen dabei zumeist auf sehr misstrauische Jugendliche, die von Erwachsenen kaum mehr etwas Positives erhoffen. Sie regen sie dazu an, sich die belastenden Erfahrungen, aber auch die Kraftressourcen, aus denen sie für die Zukunft schöpfen können, bewusst zu machen: Wer hat dir denn überhaupt eingeredet, dass du nichts wert bist? Musst du ihm das glauben? Was hast du schon Gutes geschafft? Wie wünscht du dir dein Leben in einigen Jahren? ...

Die meisten haben keine liebevolle Familie erlebt

Auffällig ist dabei nach Auskunft von Andreas Surek, der seit acht Jahren bei Kompass mitarbeitet, dass die allermeisten ihrer Klienten keine stabilen, liebevollen Familien erlebt haben. Dennoch rangiere bei den Zukunftswünschen eine Familie mit Kindern bei fast allen weit oben, neben anderen Bestandteilen eines "bürgerlichen" Lebensentwurfs wie ein eigenes Haus, eine Arbeit und ein Auto. Eine Garantie, nicht wieder strafffällig zu werden, könnten die Trainingskurse nicht vollbringen, räumen die beiden Caritas-Mitarbeiter ein.

Leben lässt sich nur in kleinen Schritte ändern

Ohnehin gebe es keinen aprupten Spurwechsel zwischen krimineller Laufbahn und geordnetem Lebensweg. Zum Wandel gehörten viele kleine Schritte, fast immer auch Rückschritte. "Die Kurse sind dabei Mosaikste../../inchen, nicht mehr, aber auch nicht weniger", schätzen die beiden ein. Auf jeden Fall sei die Wirkung positiver als bei Haftstrafen. Nur ganz selten erzielten die den beabsichtigten Effekt. Andreas Surek erinnert sich beispielsweise noch gut an einen Jugendlichen, der die Aufforderung zum Haftantritt zu einem Zeitpunkt erhielt, als er sein Leben schon längst wieder in Ordnung gebracht und sogar eine Ausbildung begonnen hatte.

Sehr hoffnungsvoll erlebt Katrin Posern die Zusammenarbeit mit den Eltern der jüngeren Jugendlichen, die sich noch nicht von ihrem Zuhause abgenabelt haben. Mit ihnen treffen sich die Kompass- Mitarbeiter seit einiger Zeit in eigenen Gesprächsrunden.

Stärkung der Eltern nützt auch den Jugendlichen

Sehr überrascht war Katrin Posern anfangs, dass sich fast alle Eltern sehr schnell öffneten, wenn sie bemerkten, dass ihnen mit großem Respekt begegnet wird. Oftmals litten die Eltern sehr darunter, dass ihnen die Schuld an allem gegeben wird, was bei ihren Kindern schief läuft. Sie bräuchten stattdessen Menschen, die sie bestärkten in dem, was sie im Umgang mit ihren Kindern bereits gut machten.


Zur Sache - Angebote im Projekt Kompass
  • Soziale Trainingskurse für Jugendliche in zwei Altersstufen
  • Einzelbetreuung von straffälligen Jugendlichen
  • Hilfe bei der Konfliktschlichtung im Täter-Opfer-Ausgleich
  • Gemeinnützige Arbeit
  • Beratung für Jugendliche in Haft und Hilfe nach der Entlassung
  • Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
    Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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