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Auf zwei Minuten

Wovon träumst Du?

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

"Traumhaft schön", "himmlisch", "paradiesisch": Das sind Ausdrücke, mit denen die kommerzielle Werbung versucht, uns bestimmte Waren oder den idealen Urlaub zu verkaufen. Schon seit langem bedienen sich die Werbetexter religiöser Motive und eines Vokabulars, das ursprünglich im religiösen Sinn gebraucht wurde. Galeria Kaufhof hatte in der Vorweihnachtszeit in einem durch eine Glaswand nach außen sichtbaren Aufzug eine "Himmelsleiter" installiert: Weiß gekleidete Engel schweben auf und nieder, und zwischen ihnen jeweils große, schön verpackte Pakete mit Weihnachtsgeschenken. Schöne und möglichst kostbare Geschenke bereiten himmlische Freuden ..."

Mir kam die Schilderung des Traumes des Erzvaters Jakobs im ersten Buch der Bibel in den Sinn (Gen 28,10-15): "Jakob kam an einen bestimmten Ort, wo er übernachtete ...Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein. Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe (eine Leiter), die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst ..."

Wir Menschen sind Wesen mit einer unersättlichen Sehnsucht. Das kleine Glück, das uns momentan erfreut, beispielsweise ein schönes Geschenk unserer Lieben und Freunde, kann uns nicht auf Dauer befriedigen. Wir schauen immer sofort aus nach etwas noch Größerem, Schönerem, letztlich nach dem Glück, das nicht mehr zu überbieten ist. Das gilt nicht nur in Hinsicht auf materiellen Besitz, sondern auch bei unseren Beziehungen untereinander. Mit anderen Worten: Unsere Träume sind maßlos. Jakob begegnet im Traum seinem Gott, der mit ihm ist zu jeder Zeit auf all seinen Wegen. Er gibt ihm ein unüberbietbares Versprechen, verspricht ihm Leben und Fülle und eröffnet ihm eine Zukunft. Das Johannes-Evangelium verwendet das Bildwort des Dürstens für die Sehnsucht des Menschen nach Leben und Erfüllung. Im siebten Kapitel berichtet Johannes über das Auftreten Jesu beim Laubhüttenfest in Jerusalem: "Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt" (Joh 7,37f). Und Jesus verspricht Erfüllung: "Wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben" (Joh 6, 34).

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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