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Bistum Erfurt

"Ich fand es einfach nicht gerecht ..."

Horte in freier Trägerschaft bieten viele Möglichkeiten: Ein Bespiel ist St. Josef in Beberstedt

Gemeinschaft erfahren: Mädchen und Jungen schaffen mit ihrer Erzieherin spielend ihre Hausaufgaben.

Beberstedt (jak) -Marc gehört zur dritten Gruppe, die nach der Schule den Hort in Beberstedt auf dem Eichsfeld besucht. Vom Schulbus abgeholt wurden Marc und die anderen Kindern von einer Erzieherin. Der ruhigere Teil des Tages kann beginnen. Auf die Frage, wie sich die Zeit im Hort gestaltet, antwortet Marc kurz und knapp: "Essen, Hausaufgaben machen, Spielen". Und missen möchte der Junge das Hortangebot sowie die Gemeinschaft unter den Kindern auf gar keinen Fall.

Der katholische Hort St. Josef ist einer der Horte in Thüringen, die sich in freier Trägerschaft befinden. Die Mitarbeiterinnen verstehen das seit 1997 bestehende Angebot als Alternative zum Hort in der staatlichen Grundschule, wobei zwischen dem Beberstedter Hort und der Hüpstedter Schule intensive Kontakte bestehen und einmal im Jahr die Lehrerinnen in Beberstedt zu Gast sind.

Die Kinder des Orts kennen ihren Hort schon viele Jahre, ist er doch an den katholischen Kindergarten angeschlossen. Damit bietet sich die einmalige Chance, die Mädchen und Jungen weiter zu begleiten, was besonders Schulanfänger den Start in den neuen Lebensabschnitt leichter macht. Zudem können Geschwisterkinder weiter miteinander spielen, da Begegnungen zwischen Hort und Kindergarten ausdrücklich erwünscht sind. Und dass mit der Arbeit der Erzieherinnen etwas für den zukünftigen Zusammenhalt des Ortes geleistet wird, ist sicher mehr als nur ein guter Nebeneffekt.

Beheimatet ist der Hort im ehemaligen Schwesternhaus, das nach Umbau und Renovierung für Schulkinder im Alter zwischen sechs uns zwölf Jahren offen steht. Gegenwärtig werden im Hort 35 Mädchen und Jungen von zwei Erzieherinnen betreut. Sigrid Lorenz, die Leiterin der Einrichtung verweist darauf, dass bei der Gestaltung der Räume die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt standen. Sie bieten Raum für Ruhe, Platz für Aktivitäten sowie individuelle Rückzugsmöglichkeiten. Sigrid Lorenz betont weiter, dass durch die räumliche Distanz zur Schule die Jungen und Mädchen den Hort als Freizeit erfahren. Die Kinder sind einfach wieder zu Hause.

Gegen Ende des vergangenen Jahres kamen Thüringens Horte ins öffentliche Gespräch. Die Landesregierug plante, Horte nur noch in kommunaler und freier Trägerschaft anzusiedeln, was das Ende der Horte in der Schule bedeuten würde. In der sich anschließenden Diskussion kam es zu manchen Verwerfungen. "Ich fand es einfach nicht gerecht, das Horterzieherinnen an den Schulen solche Wellen schlugen. Sie trafen Aussagen über uns, obwohl sie uns überhaupt nicht kennen gelernt haben", meint Sigrid Lorenz rückblickend. "Ich meine, jedem sollten seine Werte gelassen werden." Inzwischen ist das Gesetzgebungsverfahren verschoben worden.

Sigrid Lorenz ist dankbar über die Unterstützung, die der Beberstedter Hort immer wieder erfährt. Ist sie doch ein Zeichen dafür, dass die Arbeit der dort tätigen Erzieherinnen gewollt und geschätzt wird. Dabei erinnert Sigrid Lorenz besonders an die Eltern, die sich von Anfang an für den Hort eingesetzt haben und mitkämpften. "Und irgendwie spricht es ja auch für sich, wenn alle Kinder hier im Ort den Hort besuchen", meint Sigrid Lorenz nicht ohne Stolz.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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