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Vergebung lässt Liebe aufblühen

Pfarrer Günter Madeja erlebt das Sakrament der Beichte als einen "kostbaren Schatz"

Günter Madeja, Pfarrer und Geistlicher Rat

Pfarrer Günter Madeja lebt seit 1995 als Priester im Ruhestand in Wittenberg und ist dort ein beliebter Beichtvater. Was Beichte bedeutet, lässt sich seiner Ansicht nach besser verstehen, wenn man den Blick zunächst auf zwischenmenschliche Beziehungen richtet.

Pfarrer Madeja zieht den Vergleich zu einem Ehepaar: Wenn ein Partner dem anderen "auf den Schlips getreten" ist, bleibt in der Beziehung des Paares eine Störung zurück. Und wenn die beiden solche Störungen immer wieder einfach überspielen, breitet sich unter ihnen Kälte aus. Die Beziehung kann daran zerbrechen.

Wenn Mann und Frau sich alle Schuld nur gegenseitig zuschieben, verbessert sich gar nichts. Ganz anders dagegen, wenn einer seine Schuld erkennt, sie bekennt und dann die Erfahrung macht: "Mein Partner vergibt mir." Dann kann Versöhnung geschehen, die die Liebe neu aufblühen lässt und beide Partner mit frischem Schwung erfüllt.

Auch wenn der andere die Hauptschuld trägt -ohne Erkenntnis der eigenen Schuld kann eine Beziehung nicht heilen. Es kommt darauf an, auf den anderen zuzugehen und ihm beispielsweise auch die Fehler zu sagen, die man ohne bösen Vorsatz begangen hat: "Dort war ich zu energisch und da habe ich einen Ausdruck benutzt, der nicht gut war ..."

In der Beichte geht es um die persönliche Beziehung zu Gott. Natürlich ist Gott anders als wir Menschen nicht "eingeschnappt" und zieht sich nicht zurück, wenn wir uns ihm oder unseren Mitmenschen gegenüber falsch verhalten, räumt Günter Madeja ein. Aber in demjenigen, der eine Verfehlung begeht, verursacht das eine Blockade. Die Liebe Gottes kommt nicht mehr bei ihm an, und in Folge dessen verhält er sich in gestörter Weise, nicht nur Gott, sondern auch den Menschen gegenüber.

Das Sakrament der Erlösung schenkt durch den Heiligen Geist von neuem die Fähigkeit zur Liebe. Diese österliche Sichtweise der Beichte ist dem Wittenberger Priester sehr wichtig, und er bedauert, dass dieser Blick im Laufe der vergangenen Jahrzehnte oftmals ein wenig in Vergessenheit geriet.

Die tiefe Freude, die Menschen erfasst, wenn ihnen die Vergebung Gottes persönlich zugesprochen wird, hat er in vielen Beichtgesprächen erfahren, auch in der eigenen Beichte: "Ich erinnere mich noch gut, wie es in der Studentenzeit war, wenn ich vom Beichten kam. Ich hätte singend und pfeifend durch die ganze Welt laufen können. Alles leuchtete wieder in einem neuen Licht." Wer sein Leben bewusst aus der Beziehung zu Gott heraus gestalten wolle, suche die Beichte in der Regel ganz von alleine, hat Pfarrer Madeja beoachtet.

Er spendet das Sakrament sehr gerne, und er kennt eine Reihe von Beichtvätern, die das genauso erleben. Wenn Menschen bei ihnen beichteten, fühlten sie sich in ihrem Priestertum ernst genommen und seien dankbar für das große Vertrauen, das ihnen entgegengebracht werde: "Oft vertraut man uns Dinge an, die nicht einmal die Ehepartner wissen."

Als Belastung hat Günter Madeja es nie empfunden, in der Beichte so intensiv mit all den Schattenseiten seiner Mitmenschen konfrontiert zu werden. Seit er Priester ist, kann er an sich eine besondere Art von "Kurzzeit- Gedächtnisschwund" beobachten, die glücklicherweise nur auf die Beichte beschränkt bleibt: "Sobald das Beichtgespräch beendet ist, ist alles Negative, das mir anvertraut wurde, völlig aus meinem Gedächtnis gelöscht. Was bleibt, ist die Freude an all dem Schönen, was Gott den Menschen schenken möchte."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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