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Bistum Magdeburg

Provokantes Thema: Arbeit ist machbar

Auftakt zur Reihe "Arbeit und Wirtschaft": Magdeburger Wissenschaftler Weimann stellt sein Modell vo

Magdeburg - Gibt es einen Ausweg angesichts der ständig steigenden Arbeitslosenzahlen? Die Katholische Arbeitnehmerbewegung im Bistum Magdeburg will sich mit möglichen Antworten beschäftigen. Am Anfang stand die "Magdeburger Alternative".

5,2 Millionen Arbeitslose -eine Zahl, die zu Beginn dieses Monats einen traurigen Nachkriegsrekord schrieb. Der Diözesanverband Magdeburg der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) machte diese Problematik zum Thema und lud am 3. März zum Vortrag "Arbeit ist machbar" ein. "Wir haben das Thema bewusst provokant gewählt in Anbetracht der aktuellen Arbeitslosenzahlen", sagte KAB-Diözesanvorsitzender Matthias Ullrich.

1,8 Millionen neue Arbeitsplätze möglich

Doch hinter dem Ausspruch "Arbeit ist machbar" verbirgt sich noch mehr als eine reine Provokation. Zwei Magdeburger Universitätsprofessoren haben unter diesem Titel ein Buch herausgebracht. Darin beschreiben Dr. Joachim Weimann und Dr. Ronnie Schöb die so genannte "Magdeburger Alternative" -ein Modell, mit dessen Hilfe nach Angaben der Wissenschaftler etwa 1,8 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen und die Staatskasse so um etwa 4,5 Milliarden Euro jährlich entlastet werden könnten.

Joachim Weimann, einer der beiden Ökonomen, folgte der Einladung der KAB in die Räume der Magdeburger Universitäsgemeinde St. Petri und stellte den rund 50 Anwesenden das Modell vor. "Massenarbeitslosigkeit in Deutschland ist bereits seit 30 Jahren ein Problem, und ein dauerhaftes Problem bedarf einer dauerhaften Politik", so Weimann.

Woher sollen die neuen Jobs kommen?

Nach einer allgemeinen Ursachenforschung stellte der Ökonom zunächst einmal fest: Der Staat schafft keine Arbeitsanreize, denn wer auf Arbeitslosengeld II angewiesen ist, und Arbeit aufnimmt, wird bestraft. Zudem sind es vor allem die Geringqualifi - zierten, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind und diese kosten den Staat zu viel Geld.

"Woher sollen die Jobs kommen?", stellte Weimann die entscheidende Frage. "Die Magdeburger Alternative gibt darauf in einem Vier-Punkte-Plan eine Antwort. "Dieser Plan zielt darauf ab, die Anreize zur Arbeitssuche zu erhöhen und gleichzeitig die Bruttolöhne bei den Geringqualifi zierten zu senken ohne deren Nettoeinkommen anzutasten."

Kombination von Arbeitsanreizen und Subventionen

Konkret bedeutet das: Die Bundesregierung übernimmt die gesamten Sozialabgaben, wenn ein Unternehmen einen Hilfeempfänger zu einem Lohn der untersten Tarifl ohnklasse einstellt. "Dies führt zu einer unmittelbaren Absenkung der Lohnkosten in Höhe von etwa 35 Prozent", erklärte Joachim Weimann weiter.

Arbeitsplätze zu verhindern, werden allerdings nur solche Arbeitsplätze subventioniert, die zusätzlich zu der Zahl von Arbeitsplätzen der untersten Tarifl ohnklasse bis zu einem festgelegten Stichtag bereits im Unternehmen vorhanden sind." Diese Kombination von erhöhten Arbeitsanreizen und der Subvention der Bruttolöhne im Niedriglohnsektor ist -so sagen es die beiden Universitätsprofessoren -ein gangbarer Weg aus der Massenarbeitslosigkeit. Viele Zuhörer zeigten sich fasziniert von der "Magdeburger Alternative".

Für den KAB-Diözesanvorsitzenden Matthias Ullrich sind gerade solche Veranstaltungen ein wichtiges Anliegen der Arbeit der KAB im Bistum. "Unsere Mitglieder sind nun einmal primär Beschäftigte und sie betrifft dieses Thema besonders. Deshalb wollen wir als KAB mehr und mehr anregen, neuen Modellen zu folgen und auf neue Ideen aufmerksam machen, um die Probleme unserer Zeit zu lösen."

Getreu diesem Vorhaben war der Vortrag "Arbeit ist machbar" auch die Auftaktveranstaltung zu einer ganzen Reihe, die der Magdeburger Diözesanverband der KAB in diesem Jahr unter dem Oberthema "Arbeit und Wirtschaft" plant.

Hinweis
Bereits am 18. März geht es in dieser Reihe weiter. Dann heißt es ab 19 Uhr im Roncalli-Haus Magdeburg: "Rente -aber sicher?! Das Rentenmodell katholischer Verbände in der Diskussion."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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