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Helfer gesucht!

Vorbereitung des Weltjugendtages: Für andere etwas tun, ist eine Chance für sich selbst

Wigbert Scholle: Jugendpfarrer des Bistums Erfurt

"Ich freue mich bei der Vorbereitung des Weltjugendtages mitzuwirken und diesen zu einem ,Mega-Event' werden zu lassen. Dabei bietet sich eine tolle Chance, sich selbst auszuprobieren und kreative Ideen einzubringen." So schreibt eine 19-jährige Studentin aus Jena. Und in der Tat, die junge Frau sprach damit von einem Wunsch, der wohl tief in uns steckt: Wer will sich nicht ausprobieren, möchte nicht seine Fähigkeiten, sein Können, sein Wissen einbringen? Wir alle leben davon.

Der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner gab diesem Wunsch des Menschen die Überschrift "Wachsen" und denkt darüber in vielen Büchern und Aufsätzen nach. So schreibt er in "Leibhaftig glauben": "Wir Menschen wünschen, dass wir an der Geschichte unseres Lebens mitschreiben können. [...] Wir wünschen uns, dass wir wachsen können, schöpferisch sind, kreativ."

Aber nicht nur dieser Wunsch bewegt uns, so schreibt er weiter. Es liegen noch zwei weitere Wünsche in uns, die zu einem geglückten Leben gehören: Wir alle haben auch den Wunsch eine Heimat zu haben, Wurzeln zu schlagen. Keiner von uns möchte "obdachlos" sein. Nichts kann wachsen ohne Wurzeln. Und den dritten Urwunsch, den er oft meditiert, ist der Wunsch einen guten Namen zu haben. Kein Mensch will austauschbar sein.

Drei Wünsche in uns

Drei Wünsche, die ganz tief in uns stecken: Jeder Mensch möchte wachsen, möchte wurzeln und möchte einen guten Namen zu haben. Nur was haben diese Wünsche des Menschen mit dem Weltjugendtag zu tun? Insbesondere mit dem Thema dieses Artikels: "Helfer gesucht"?

Ich denke, dass der Weltjugendtag uns allen die Möglichkeit bietet, nicht nur etwas für andere zu tun, indem wir uns als Freiwillige anbieten. Nein, der Weltjugendtag bietet uns auch die Möglichkeit selbst reicher zu werden. Jeder, der mithilft, bekommt die einmalige Chance ganz deutlich zu spüren, es lohnt sich, sich zu engagieren.

Es lohnt sich, weil ich mich, meine Fähigkeiten, mein Können einbringen kann. Es lohnt sich, weil ich im Tun mit anderen Menschen Heimat erleben kann. Denn da, wo Menschen sich für eine gemeinsame Sache engagieren, entsteht eine Gemeinschaft, die trägt, die stützt und die Geborgenheit gibt. Und es lohnt sich, weil ich spüren darf, dass ich einmalig bin, und in dieser Einmaligkeit bei anderen einen guten Namen habe.

Alles Tun für den Weltjugendtag ist also keine Einbahnstraße. Nicht nur unsere Gäste werden hoffentlich bereichert zurückkehren. Auch wir werden reicher sein, weil es die tolle Möglichkeit gab, "sich selbst auszuprobieren und kreative Ideen einzubringen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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