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Bistum Magdeburg

'Respekt - Beitrag zum Frieden'

kfd-Diözesanverband strebt Partnerschaft mit litauischen Frauen der 'Hoffnungsbrücke*' an

Wollen Kontakt zu Frauen in Litauen: Frauen der Diözesan-kfd hier mit Frau Grzibek (Zweite von links). Foto: Pohl

Magdeburg - Die Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Bistum wollen ihren Blick künftig über die eigenen Probleme hinaus richten. Bei ihrer Diözesanversammlung ließen sie sich über die Situation von Frauen in Litauen informieren.

"Als kfd-Diözesanverband haben wir den Schwerpunkt ,Fremdes achten -Friede suchen' von der Bundes-kfd übernommen und werden auch die Frauenwallfahrt am 18. Juni unter dieses Thema stellen", sagte kfd-Sprecherin Barbara Striegl zu den 22 Teilnehmerinnen der Diözesanversammlung. "Wir nehmen wahr, dass die weithin friedlose Welt auch unser Engagement braucht. Der Zuzug von Menschen aus fremden Nationen führt zu Vorurteilen. Auch angesichts der EU-Erweiterung fragen wir uns, wie viel Fremdes wir aufnehmen können und müssen." In dieser Situation sei es wichtig, zu einer toleranten Haltung gegenüber andersdenkenden und lebenden Menschen zu finden.

"Respekt vor dem Fremdsein ist ein Beitrag zum Frieden. Daraus kann Verstehen erwachsen, ohne eigene Vorstellungen aufgeben zu müssen", so Frau Striegl. Da das Bistum Magdeburg seit der Wende gute Kontakte in die litauische Diözese Kaisiadorys pflegt, liege es nahe, die Situation der dortigen Frauen in den Blick zu nehmen.

"Ich bewundere die Kraft der litauischen Frauen."

Dazu konnte die Referentin des Studienteils der Versammlung, Ursula Maria Grizbek aus Berlin viel beitragen. "Ich bewundere die Urkraft der litauischen Frauen, die Standhaftigkeit, mit der sie ihre Traditionen bewahren und ihre Familien durchbringen, die Art, wie sie in ihren Festen den Zugang auch zu ihren religiösen Quellen offen halten", so die Initiatorin des seit 1997 bestehenden Frauennetzwerkes "Vilties Tiltas -Hoffnungsbrücke" in der Diözese Kaisiadorys. Auch die Arbeitsstätte von Frau Grzibek, ein In-Via-Zentrum für Mädchen und Frauen in Berlin-Karlshorst, ist Mitglied dieses Netzwerkes.

"Die Armut ist sehr groß in Litauen"

"Kaisiadorys ist eine arme, sehr ländlich geprägte Diözese", so Frau Grizbek in ihrem mit Lichtbildern illustrierten Vortrag. "Viele Männer sind arbeitslos, trinken. Andere sind von Zuhause fort, um irgendwo Geld zu verdienen." Von den Frauen, die sie persönlich kenne, stehen viele mit ihren fünf, sechs Kindern allein da. "Sie müssen sehen, wie sie sie irgendwie über die Runden bringen." Mit der vielfältigen Not der Litauerinnen ist Frau Grizbek erstmals 1996 bei einem Litauenbesuch konfrontiert worden. Betroffen von der Situation hat sie das Projekt "Hoffnungsbrücke" ins Leben gerufen. Heute bestehen 23 Frauengruppen in elf Orten des im Südosten Litauens gelegenen Bistums.

"Wenn sich die Frauen treffen, reden sie darüber, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können, denn auf dem Land ist die Armut sehr groß", erzählt Frau Grizbek. Lebenswichtig sei, eine Parzelle zu haben, um darauf Kartoffeln, Kraut und anderes Gemüse anzubauen. Manche Frauen würden in den Begegnungszentren gern lernen wollen, was ihre Kinder in der Schule behandeln, andere würden gern mit dem Computer umgehen können.

"Wenn es gut geht, erzählen sie bei ihren Treffen auch etwas von ihrer persönlichen Situation. Aber das fällt ihnen schwer. Und sie müssen auch noch viel üben, Konflikte zu benennen und auszutragen", sagt die Netzwerk- Initiatorin, die dem dritten Orden des heiligen Benedikt angehört.

Derzeit werde ein von der Europäischen Union unterstütztes länderübergreifendes Projekt ländlicher Tourismus vorbereitet, von dem sich viele wirtschaftlich etwas versprechen. Schließlich sei Litauen landschaftlich wunderschön, so Frau Grizbek, die von der Natur und der Geschichte des Landes schwärmt.

Bei den Frauen der "Hoffnungsbrücke" gebe es den großen Wunsch nach lebendiger Partnerschaft mit Frauen aus Deutschland, so Frau Grzibek. "Deshalb wäre es toll, wenn sie als Frauengruppe oder Gemeinde solche Beziehungen aufnehmen könnten." Ein Anliegen, das zu realisieren die kfd im Sommer erste Schritte unternehmen will.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 04.03.2005

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