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Bistum Erfurt

Kindergärtner Marco

Marco Wenzel verstärkt in seinem Praktikum das Team des Kindergartens St.Elisabeth

Die 'Igel-Kinder' im Dingelstädter Elisabeth-Kindergarten mögen ihren Marco sehr. Und auch Gruppenleiterin Evelyn Gerling (im Hintergrund) spart nicht mit Lob für ihren Praktikanten. Foto: Bose

Dingelstädt - Für Gruppenleiterin Evelyn Gerling ist Marco Wenzel "meine große Hilfe". Der angehende Erzieher arbeitet im Rahmen seines Praktikumsjahres im Kindergarten St. Elisabeth der katholischen Gemeinde St. Gertrud in Dingelstädt.

Putzmunteren Dreijährigen Geschichten vorlesen, mit ihnen auf dem Bauteppich Türme in den Himmel wachsen lassen, Schuhe zubinden, spazieren gehen und im Garten spielen. Zweijährigen Knirpsen im Winter das Triefnäschen putzen und, wenn die Mini-Toilette nicht schnell genug erreicht wurde, die "gefüllte" Windel wechseln. Außerdem mit den Kleinen singen, Sport treiben, sie bei Kummer trösten und möglichst allen neunzehn Mitgliedern einer durstigen Gruppe gleichzeitig den begehrten Tee eingießen. Sie obendrein noch ermahnen, nichts zu verschütten und im selben Moment auch schon der Teepfütze auf dem Tisch den Kampf ansagen. Alltag einer Kindergärtnerin. Oder eines Kindergärtners.

Im Dingelstädter Elisabeth- Kindergarten, der sich seit zehn Jahren in Trägerschaft der katholischen Gemeinde St. Gertrud befindet, verstärkt Kindergärtner Marco Wenzel derzeit das Erzieherinnen- Team unter Leitung von Gabriele Vockrodt. Längst gehört ein zweiter Mann im Haus hier zum Alltag. Alle -Kinder, Eltern, Mitarbeiterinnen -finden es völlig normal, außer dem Hausmeister als lange Zeit einzigem männlichen Wesen, auch einen Praktikanten zu haben.

Als angehender Erzieher im Praktikumsjahr arbeitet er bei den Jüngsten, in der "Igel-Gruppe", zusammen mit Gruppenleiterin Evelyn Gerling. "Meine große Hilfe", nennt ihn die Erzieherin voll Anerkennung. "Ich finde es schön, dass auch Männer sich für unseren Beruf begeistern", pflichtet ihr Christine Vockrodt aus der ältesten Gruppe, der "Blumen- Gruppe", bei.

Der 23-jährige Heiligenstädter erlernt gegenwärtig in seiner Heimatstadt den Beruf des Staatlich anerkannten Erziehers an der katholischen Bergschule St. Elisabeth. Vorausgegangen war für ihn an der gleichen Schule eine zweijährige Ausbildung zum Sozial- Assistenten. Die zukünftigen Erzieher werden zwei Jahre lang in Theorie unterrichtet, dann folgt ein Praktikumsjahr. Er hätte hierfür ebenso gut in einen Hort oder eine Betreuungseinrichtung für behinderte Menschen gehen können, doch Marco entschied sich ganz bewusst für die Jüngsten und verkündete: "Ich gehe in den Kindergarten!" Vom 1. August 2004 bis 31. Juli 2005 dauert sein Praktikum. Kennen gelernt hatte er den Dingelstädter Kindergarten in seinem Landkreis, dem Landkreis Eichsfeld, schon früher, während eines Vier-Wochen-Praktikums.

"Die Arbeit macht mir Riesenspaß", strahlt Marco und erzählt: Zu Hause war er das zweite von sechs Kindern, da gehörte es wie selbstverständlich zum Alltag, sich mit um die kleinen Geschwister zu kümmern. Ganz so exotisch sieht er sich gar nicht und führt den Beweis an: Fünf Männer lernen in seiner Klasse, davon haben sich noch zwei für ein Kindergarten- Praktikum, in Gotha und in Bad Langensalza, entschieden, ein anderer für den Hort. Gern würde Marco, der, wie er betont, bisher nur positive Erfahrungen gesammelt hat, nach der Ausbildung bei den "Elisabeth-Kindern" in Dingelstädt bleiben. Doch wird das wohl leider nicht möglich sein. Für seine berufliche Zukunft kann er sich eine Arbeit in einem Kindergarten gut vorstellen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 04.03.2005

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