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Die Kirche zukunftsfähiger machen

Interview mit dem neuen Magdeburger Bischof Gerhard Feige

Bischof Gerhard Feige

Herr Bischof, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung zum Bischof von Magdeburg. Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich will bei den Erfahrungen der letzten Tage ansetzen: Ich bin erstaunt, erfreut und dankbar, wie viele herzliche Gratulationen ich erhalten habe. Viele haben mir signalisiert, dass sie das Projekt Kirche hier im Bistum mittragen und mich als Bischof unterstützen wollen. Das zeigt mir, ich muss kein Einzelkämpfer sein. Wir sind gemeinsam unterwegs. Viele mühen sich, aus dem Glauben zu leben, Verantwortung wahrzunehmen und Gesicht zu zeigen. Das macht mir Mut und erfüllt mich mit froher Zuversicht.
Und was macht Ihnen die meisten Sorgen?
Die meisten Sorgen sind mit dem Wissen verbunden, dass Veränderungen notwendig sind. Manches ist heute schon absehbar. Die nächsten Jahre werden für die Kirche hier sicher keine leichte Zeit sein. Als Historiker frage ich allerdings, ob es überhaupt jemals leichte Zeiten für die Kirche gegeben hat. Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Bei meinem Vorgänger, Bischof Leo Nowak waren es die Jahre nach der Wende, in denen es galt, als Kirche den neuen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen. Jetzt gehen wir in eine andere Phase der Kirchenentwicklung. Wieder müssen wir umbauen mit dem Ziel, Kirche in unserem Bistum zukunftsfähiger zu machen.
Das war ja auch das Anliegen des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG), mit dem das Bistum in den letzten Jahren versucht hat, Schwerpunkte für das kirchliche Handeln in der Zukunft aufzuzeigen. Wie werden Sie an diesen Prozess anknüpfen?
Auf jeden Fall werden uns die Ergebnisse des Pastoralen Zukunftsgespräches begleiten. Wir müssen aber sehen, dass sich die Rahmenbedingungen für unsere Kirche inzwischen schon wieder verändert haben. Das gilt besonders für die Finanzen, die beim PZG kaum ein Thema waren. Jetzt müssen die Ergebnisse des PZG unter diesem Blickwinkel noch einmal gegengelesen werden.
Sie haben ja als Diözesanadministrator schon eine Sparkommission für das Bistum eingesetzt. Sind denn die finanziellen Probleme der einzige Grund für nötige Veränderungen?
Nein. Veränderungen sind auch nötig mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen in Ostdeutschland. Aus unserer Region wandern viele junge Leute ab. Die Gesellschaft ist stärker überaltert als im Westen. Und die Menschen um uns herum sind zu einem großen Teil Nichtchristen. Diesen Verhältnissen müssen wir uns noch mutiger und fantasievoller stellen.
Auch wenn die katholischen Christen nur eine Minderheit in der Gesellschaft sind, leisten Sie doch für alle Menschen wichtige Dienste, beispielsweise im Bildungsbereich oder mit der Caritas. Was können die Menschen in der Region künftig von der katholischen Kirche erwarten?
Das hängt nicht nur und auch nicht zuerst von kirchlichen Einrichtungen ab, sondern von jedem katholischen Christen im Bistum. Die Institution Kirche oder der Bischof können nicht alles organisieren. Die Ausstrahlung muss von jedem Einzelnen, von den Familien, den Gruppen und Pfarrgemeinden kommen. Das Bistum kann versuchen, Kindertagesstätten, Schulen und soziale Einrichtungen auch künftig zu halten. Dabei ist mir aber besonders wichtig: Wir müssen nicht nur Einrichtungen haben, sondern brauchen vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die christlichen Geist ausstrahlen.
In Sachsen-Anhalt liegen ja die wichtigsten Orte der Reformation. Was wünschen Sie sich für die Ökumene?
Ich wünsche mir, dass wir auch künftig sachlich, fair und herzlich miteinander umgehen und überlegen, wie wir unser Verhältnis noch besser gestalten können. Schließlich geht es hier um die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft. Wenn es Probleme gibt, hoffe ich, dass wir diese im Dialog klären können. Für mich ist Ökumene eine Sache des Verstandes und des Herzens. Beides muss zusammenkommen.
Sie haben von den vielen guten Wünschen gesprochen, die Sie in diesen Tagen erhalten. Haben Sie denn einen Wunsch an das Bistum?
Ich wünsche mir ein konstruktives Miteinander. Das gilt vor allem dort, wo man durchaus verschiedene Meinungen vertreten kann. Ich denke, wichtig ist das gemeinsame Engagement für das Evangelium Jesu Christi und eine lebendige Kirche in unserer Region.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 54. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 02.03.2005

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