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Auf zwei Minuten

Jesus steht auf der Seite des Lebens

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Vor etlichen Jahren gab es eine große Industrieausstellung in Südafrika. Eine Gruppe von Ureinwohnern, den in der Wüste Kalahan lebenden Buschmännern, war unter den Besuchern der Ausstellung. Sie wanderten durch die großen Ausstellungsräume und schauten sich alles an, schienen aber nicht sonderlich beeindruckt zu sein von all den Maschinen und Apparaten. Dann aber entdeckten sie einen Wasserkran: Man brauchte nur am Hahn zu drehen, und sauberes Trinkwasser floss heraus! Das war für sie wie ein Wunder, denn sie mussten in der Wüste mühsam nach Wasser suchen, um zu überleben.

Für uns ist Trinkwasser eine Selbstverständlichkeit, über die man nicht viel redet. Erst in Katastrophenfällen wird sauberes Trinkwasser zum Problem. Für die Frau am Jakobsbrunnen, mit der Jesus ins Gespräch kommt, gehört das Wasserschöpfen zur täglichen Arbeit. Jesus spricht zu ihr von lebendigem Wasser, das er ihr geben will, und sie wird keinen Durst mehr haben. Die Frau missversteht ihn und bittet ihn: "Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen." Sie denkt vielleicht an eine Art Zaubertrank. Doch Jesus verteilt keinen Zauber. Er will ihr viel mehr geben: Er selbst ist das lebendige Wasser. Wer von diesem Wasser des Lebens trinkt, der findet Sinn und Erfüllung und Zukunft im ewigen Leben. Die samaritische Frau, die wegen ihres unmoralischen Lebenswandels an den Rand der Gesellschaft gedrängt war, ist dennoch gut dran: Sie ist lebenshungrig, dürstet nach Erfüllung. Und Jesus stellt sich auf die Seite des Lebens: Er heiligt ihren und unseren Lebenshunger, er heilt ihren und unseren Lebensdurst.

Das Johannesevangelium berichtet über das Auftreten Jesu beim Laubhüttenfest in Jerusalem: ,,Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt" (Joh 7,37f). Jesus ist die Quelle lebendigen und Leben spendenden Wassers. Selig die Durstigen, die Suchenden, die sich nicht mit Oberflächlichem und Abgestandenem zufrieden geben, sondern aus der frischen Quelle schöpfen wollen! Im Glauben an Jesus und im Gebet zu ihm, der gekommen ist, um uns Leben in Fülle zu schenken, gelangen wir an diesen Brunnen lebendigen Wassers.

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.02.2005

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