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Wie kann man heute beten? Überlegungen von Guido Erbrich

Guido Erbrich

Die Fastenzeit - eine Gelegenheit für einen Neuanfang auch im Gebetsleben. Doch was ist Beten? Was muss ich tun? Und was tut Gott? Guido Erbrich, Referent im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz und Herausgeber von Jugendgebetbüchern versucht Antworten.

"Ein alter Mann konnte stundenlang still in der Kirche sitzen. Eines Tages fragte ihn der Priester, worüber Gott mit ihm spräche. ,Gott spricht nicht. Er hört nur zu', war die Antwort. ,Was redest du dann mit ihm?' ,Ich spreche auch nicht. Ich höre nur zu.'" Diese Sätze des Schriftstellers Anthony de Mello sind für Guido Erbrich eine gute Beschreibung dessen, was Gebet ist: "Gebet ist die Ruhepause, die ich mir mitten im Alltag nehme für die Begegnung mit Gott, meinem Gegenüber." In seinem Jugendgebetbuch "Zum Beispiel: Wir" beschriebt er es so: "Mitten in der Hektik des Tages schließe ich meine Augen. Wenn alles um mich herum lärmt, werde ich still. Für ein paar Sekunden stoppe ich die Maschine und merke: Da ist noch was, da ist noch wer." "Beim Beten geht es weder um geistliche Höchstleistungen, mit denen ich Gott zeige, was ich alles drauf habe, noch um spektakuläre Inhalte", sagt Guido Erbrich. Entscheidend für das Gebet ist dieses Gefühl - "da ist noch wer".

So wichtig wie Zähneputzen

Beten muss nicht immer Spaß machen. Manchmal kann es auch Routine sein, aber es ist für den Christen genauso wichtig wie das Zähneputzen. Und schwieriger ist das Beten auch nicht, meint Guido Erbrich. Man muss es nur schaffen, die Zeit für diesen Ruhepunkt zu finden - sei es die halbe Minute vor der Ampel oder beim Laufen oder Radfahren, vorm Schlafengehen mit den Kindern auf der Bettkante oder beim Besuch in einer Kirche. Strukturen und Rituale können helfen, aber: "Beten kann ich immer und überall, denn Gott ist immer um mich herum."

Und was passiert beim Beten? Auf den ersten Blick oft nichts - wie in der Geschichte von dem alten Mann in der Kirche. "Gott antwortet normalerweise nicht in klaren Sätzen und Anweisungen." Wenn der Beter vor Gott zur Ruhe kommt, hat er aber die Chance, die Antwort Gottes zu spüren. "Gott antwortet vielleicht in Bildern oder Gefühlen. Beim Beten spüre ich plötzlich, wohin die Kompassnadel meines Lebens schwingt. Und manchmal finde ich für ein Problem in meinem Leben, über das ich lange nachgedacht habe, plötzlich doch die Lösung."

Die Schwelle für das Beten hängt gar nicht so hoch, wie viele glauben. Guido Erbrich: "Ich muss nur mein Leben in das Gebet hi-nein nehmen und das zum Thema meiner Begegnung mit Gott mache, was mich gerade beschäftigt." Selbst wenn man nicht weiß, wie man beten soll, kann man das zum Thema der Begegnung mit Gott machen. "Beten ist einfach. Teile Gott dein Leben mit. Deine Ängste, deine Hoffnung, deine Wünsche. Frage an und zweifle. Zeige dich, wie du bist. Gott kennt dich. Du musst ihm nichts vormachen", heißt ein Antwort von Guido Erbrich auf die Frage, wie man heute beten kann.

Matthias Holluba Teile Gott dein Leben mit Wie kann man heute beten? Überlegungen von Guido Erbrich

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.02.2005

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