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Gäste sind ein Segen. Gute Gastgeber auch!

Über die Gastfreundschaft zum Weltjugendtag

Gregor Giele: Jugendpfarrer des Bistums Dresden-Meißen

"Gäste sind ein Segen!" -diese Aussage ist im Vorfeld des Weltjugendtages allerorten zu hören oder zu lesen. Das gehört sicher zur Vorbereitung auf das Großereignis dazu. Dennoch: Wenn eine Aussage so oft wiederholt wird oder werden muss, dann ist das auch ein Anzeichen dafür, dass sie nicht selbstverständlich ist.

"Gäste sind ein Segen" -das ist nicht die allererste Erfahrung eines Gastgebers. Zunächst bedeutet Besuch Aufwand und Arbeit. Man hat Vorbereitungen zu tätigen und etwas zu investieren. Es gilt, sich Zeit zu nehmen -das inzwischen wohl kostbarste Gut unserer Tage. Nicht zuletzt bedeutet Gäste aufzunehmen -zumal "wildfremde" aus anderen Kulturen und Sprachfamilien, wie es beim Weltjugendtag sein wird -dass man auch seine natürliche Scheu vor dem Fremden überwinden muss. Gäste sind nicht automatisch ein Segen, sie sind zunächst einmal eine Herausforderung.

Damit diese erste Erfahrung nicht die Oberhand gewinnt, hat die Bibel die Gastfreundschaft immer wieder als hohes Gut angemahnt. Erstaunlicherweise begründet sie diese Pflicht zur Gastfreundschaft dabei nicht nur mit dem Hinweis, dass manch einer, "ohne es zu ahnen Engel beherbergt hat" (Hebr 13,2). Älter ist die Aufforderung zur Gastfreundschaft erklärt mit der Erinnerung daran, dass man selbst des Öfteren Fremder ist, der freundliche Aufnahme als Gast erwartet und benötigt (siehe Gen 15, 13). Damit beschreibt die Heilige Schrift etwas, was heutzutage mit dem Slogan "jeder Mensch ist Ausländer (Fremder) -fast überall!" beschrieben wird.

Die Bibel bleibt aber nicht bei der Mahnung zur Gastfreundschaft stehen, sondern berichtet ausführlich, wie diese auszusehen hat. In der berühmten Begebenheit des Besuches der drei Männer bei Abraham (Gen 18) wird gelingende Gastfreundschaft vorgeführt. Abraham lädt herzlich ein -der Gast muss sich nicht aufdrängen, er ist willkommen. Abraham bietet den Gästen Erfrischung an und hält mit ihnen Mahl. Er gibt dem Gast, was dieser für das leibliche Wohl oder für das blanke Überleben in der Fremde nötig hat. Dabei geht es nicht um einen großen Aufwand oder einen perfekten Service, sondern vor allem um Herzlichkeit und Freundlichkeit, um Mitmenschlichkeit und die Annahme des anderen, so wie er ist. Später wird dieser Aufgabenkatalog für Gastgebende noch ergänzt durch die Aufforderung, dem Gast Schutz in der Fremde zu geben (Gen 19), das innere Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.

So besehen, scheinen in der Bibel alle Lasten beim Aufnehmenden zu liegen. Das unterstreicht eher den ersten Eindruck, dass Gäste nur Mühe und Arbeit mit sich bringen.

Die Heilige Schrift belässt es aber nicht bei diesem Pflichtenkatalog für Gastgebende. Immer wieder berichtet sie, wie durch solche gewährte Gastfreundschaft Beziehung zwischen den Menschen und Verständnis füreinander wachsen, wie bisher Trennendes und Fremdes überwunden wird. Im Neuen Testament wird zusätzlich darauf hingewiesen, wie durch Gäste hilfreiche und weitreichende Veränderungen -oft sogar Wunder -geschehen. Der Zöllner Zachäus bekehrt sich, während Jesus bei ihm zu Gast ist (Lk 19). Die Feier bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2) erhält durch den Gast Jesus eine ganz neue Qualität.

Gelebte und praktizierte Gastfreundschaft zieht Heil nach sich. Gast und Gastgeber sind am Ende die Beschenkten. Deshalb muss der viel zitierte Slogan wohl auch richtiger lauten: Gäste sind ein Segen. Gute Gastgeber auch!

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 20.02.2005

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